Kritische Naturgeschichte > Römer in Germanien


 
  • »Das geplatzte Interview zum 2000-jährigen Jubiläum der Varuskatastrophe«
  • »Die Wahrheit über die Varuskatastrophe«
  • »Fehlstart zum Varusjahr 2009«
  • »Nachschlag - Römerlager in Porta Westfalica - Barkhausen«
  • »Wenn einer das Schönste findet, was er sich vorstellen kann…«
  • »Warum sich die Archäologen so schwer mit der Geschichte tun...«
  • »Über die Arbeit des Denkmalschutzes«
  • »Zur Fundsituation von Römerlagern zwischen Lippe und Weser«

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    Manchmal stehen Denkmale auch an der richtigen Stelle. Das berühmte Hermannsdenkmal ist entgegen der derzeit vorherrschenden Lehrmeinung ein aussichtsreiches Beispiel dafür!

     

    Das geplatzte Interview zum 2000-jährigen Jubiläum der Varuskatastrophe

    Vorbemerkung

    Das nachfolgende Interview ist unschwer als eine Spitze gegen die verantwortlichen Denkmalpfleger im Kreis Lippe zu erkennen. Die haben trotz plausibler archäologischen Befunde- und historischer Quellen, die für einen Standort der Varusschlacht in Ostwestfalen-Lippe sprechen*), nicht einmal versucht, den Kalkriesern anlässlich des 2000-jährigen Jubiläums der Varuskatastrophe den Ort des Geschehens streitig zu machen. Stattdessen begnügen sie sich damit, zu beleuchten, wie die Varusschlacht zu einem nationalen Mythos und Arminius zu einem Nationalhelden wurde. Der nationale Mythos hat bekanntlich im Hermannsdenkmal seinen imposantesten baulichen Niederschlag gefunden. Es würde mich nicht wundern, wenn die Kalkrieser aufgrund ihrer guten Erfahrungen, mit der Bereitschaft der lippischen Denkmalpfleger ihr Tafelsilber zu verscherbeln, bei nächster Gelegenheit auch noch die Umsetzung des Hermannsdenkmals fordern. Gewiss werden die Lipper sich auch in diesem Fall verständig zeigen und den Kalkriesern sogar noch helfen, das Denkmal in Kisten zu verpacken. Da können wir uns schon fast denken, was Herr Leiermann bei seinem geplatzten Interview darüber herausgefunden hat, wie man in Walhall so über die Lipper denkt:

     
     

     

     

    Das geplatzte Interview

    von Dr. Horst Leiermann

    »Ich hatte mir das so schön ausgedacht.

    2009, zum 2000-jährigen Jubiläum der Hermannsschlacht ein Interview mit Hermann. Das schien auch alles zu klappen. Ich bekam von Hermanns Vorzimmer einen Termin, vom Flugplatz Oerlinghausen/Teutoburger Wald eine Kuriermaschine nach Walhall und wurde dort gleich von einem schneidigen Ordonanz-Offizier empfangen.

    Denn Sekretärinnen hatte Tusnelda verboten, seit sie einmal Hermann mit einer Sekretärin auf dem Schoss erwischt hatte. Und dass Hermann, vor allem wenn er etwas getrunken hatte, zu Übergriffen neigt, wusste sie aus eigener Erfahrung.

    Der Offizier ließ sich von mir die Ausweispapiere zeigen und als ich, etwas überrascht über die Formalitäten, fragte, ob ich jetzt auch noch eine Leibesvisitation nach Waffen über mich ergehen lassen müsste, winkte er ab.

    Hier in Walhall sind wir unsterblich erklärte er, da kann nichts mehr passieren. Er holte einen Fragebogen, Alter, Beruf, Adresse und er war ganz leutselig bis er auf das Wort ›Lippe‹ in meiner Adresse stieß, da wurde er erst einmal etwas komisch.

    Aus Lippe, fragte er. Ich nickte.

    Schon schlecht! Und dann ging es los: Was wir uns eigentlich dächten? Ob wir uns denn nicht schämten, jetzt hier auch noch bei Hermann anzuklopfen?

    Wieso, sagte ich. Wo wir doch Hermann das Riesendenkmal gebaut haben.

    Vor 150 Jahren, gut und schön, da hätten wir hier antanzen können. Aber heute? Nichts hätten wir zur Hermannschlacht zu bieten.

    Da sollten wir uns doch erst einmal ein Beispiel an Niedersachsen nehmen. Kalkriese, da sei die Schlacht zwar nicht gewesen, aber was die daraus gemacht hätten. Ein Riesenmuseum.

    Und wir?

    Wir haben doch keine Funde stotterte ich

    Keine Funde? Die Römische Urne in Lügde!

    Da liegt doch ein Germane begraben. Der hat sich die Urne von einer Reise an den Rhein mitgebracht.

    Der Offizier grinste.

    Schon einmal einen Touristen gesehen, der sich von einer Reise einen Sarg mit nach Hause bringt?

    Nein, musste ich zugeben. Aber vielleicht hat er sich die Urne im Versandhandel schicken lassen. Damals war Quelle doch noch nicht Pleite.

    Der Offizier schüttelte den Kopf.

    Schon mal was von dem römischen Mosaik in Corvey**) gesehen?

    Natürlich, sagte ich. Aber Corvey liegt doch gar nicht in Lippe.

    Ob ich in Lippe zur Schule gegangen sei?

    Ich nickte.

    Ob ich nie gehört habe, dass die Schwalenberger Grafen die Vorgänger des Hauses Lippe gewesen seien? Und außerdem noch die Vögte von Corvey. Und ob ich eigentlich in der Schule immer geschlafen hätte? Und wo in Lippe ich eigentlich wohnte?

    In Schwalenberg murmelte ich kleinlaut.

    Er holte tief Atem.

    Auch das noch!

    Also, sagte er. Römisches Mosaik in Corvey. Daran ist nicht zu rütteln.

    Aber das ist doch Zweitverwendung.

    Zweitverwendung? Ob ich schon mal Fliesen abgeschlagen hätte?

    Habe ich, trumpfte ich auf. Ich bin Architekt, ich habe Baupraxis.

    Gut, sagte der Offizier und ob ich schon jemals eine Fliese unzerbrochen vom Untergrund abgespitzt hätte?

    Das nicht. Die sind immer zerbrochen. Mit eklig scharfen Kanten. Messerscharf. Die Hände haben mir geblutet. Denn damals trug man noch keine Handschuhe.

    Eben, sagte der Offizier.

    Und außerdem, die römische Therme in Tom Roden. Mit PRAEFURNIUM. Das sind ortsfeste Spuren. Immobilien. Nicht lose Münzen oder Waffen wie in Kalkriese.

    Aber, wandte ich ein. Fußbodenheizung hatten auch die Zisterzienser.

    Und ein PRAEFURNIUM gehört oft zu einer Fußbodenheizung.

    Der Offizier stöhnte:

    Erstens siedeln Zisterzienser in der Einsamkeit und nicht neben reichen Benediktinern. (Ehrlich gesagt, hatte ich das schon im Studium von Karl Gruber gelernt, aber ich hielt lieber den Mund.)

    Und Zweitens gibt es ein PRAEFURNIUM im Mittelalter überhaupt nicht. Damals heizte man im Kloster nur einen einzigen Raum, die Wärmestube. Und die Feuerung war im Keller, damit die Wärme im Haus blieb. Bei römischen Thermen, den Schwitzbädern für die Legionäre im Sommer bei den Vorstößen nach Germanien, waren PRAEFURNIEN sinnvoll, damit die Heizer in der Hitze nicht umkamen. Und froh waren, im Freien, von außen zu heizen.

    Schon mal ein mittelalterliches PRAEFURNIUM gesehen? fragte der Offizier

    Nein, musste ich zugeben.

    Schon mal einen Menschen getroffen, der eines gesehen hat?

    Das nicht. Aber Fachleute haben mir gesagt, sie wollten dem doch noch einmal nachgehen.

    Dann viel Spaß, sagte der Offizier.

    Und außerdem, die römischen Wandbilder im Westwerk in Corvey.

    Das sind nur Kopien, trumpfte ich auf. Ganz hohe Fachleute haben das gesagt. Mit Titeln und so.

    Nackte Eroten? Im Kloster? fragte der Offizier.

    Na ja, meinte ich, Mönche, ganz ohne Frauen da hört man doch so allerlei.

    So so, sagte der Offizier, ein nackter junger Mann mit einem glitschigen Delphin zwischen die Schenkel gepresst - und eine heidnische Dame oben ohne.

    Mönche sind auch Männer, wandte ich ein. Und ohne Freundin und nach einigen Glas Wein…

    Langsam, langsam, sagte der Offizier. Wir sind ja erwachsen…Und wir früher hatten auch unsere Tussis. Und die waren gar nicht zickig. Aber so schöne Nacktheit konnten wir damals nicht an die Wand malen.

    Wir haben sie uns damals ganz genau angesehen. Und uns von den Überlebenden der drei Legionen des Varus ganz genau erklären lassen. Die ganze Geschichte mit Amor. Und der Schaumgeburt der Venus, das Wasser ist uns im Munde zusammen gelaufen.

    Zugegeben, wir hatten ja auch so unsere gewagten Sagen. Wie Brunhilde ihren Gunter in der Hochzeitsnacht gebunden hat und an einem Nagel aufgehangen, weil sie partout den Siegfried haben wollte. Der dann auch, im Schutze der Tarnkappe dem Gunter beispringen musste.

    Aber malen konnten wir die Geschichten nicht. Und dass fromme Mönche sich solche Sachen mit heidnischen barbusigen Damen in ihre Kirche gemalt hätten? Wenn schon dann heimlich. Irgendwo in einem dunklen Winkel.

    Und ob ich eigentlich einmal die Benediktiner gefragt hätte, ob die das gemalt hätten?

    Habe ich, sagte ich, aber die sagen, sie waren das nicht.

    Also, sagte der Offizier, und jetzt will ich Ihnen einmal etwas sagen.

    Dass Lippe nichts römisches 2009 zu bieten hat, ist schon schlimm genug. Aber dass sie dann auch noch ein Ausstellung über den Mythos der Hermannsschlacht aufmachen, da wäre dem Hermann der Kragen geplatzt. Mythos? Märchen? hätte er gedröhnt und seinen 10 Liter-Humpen voll Detmolder Pils so auf den Tisch gehauen, dass er zerbrach und die Brühe über Tisch und Boden lief und 21 Mann seiner Leibgarde die Schweinerei schnell aufwischten, weil Thusnelda in solchen Sachen ganz eklig sein kann. Mythos? schrie Hermann, mein Sieg soll ein Märchen sein?

    Seien Sie froh, dass ich Sie von Hermann fern gehalten habe. Wenn der ›Lippe‹ gehört hätte, das wäre schief ausgelaufen.

    Ich schwieg etwas betreten.

    Hören Sie zu, sagte begütigend der Offizier. Es ist ja noch gar nichts passiert. Fliegen Sie erst mal wieder nach Hause und machen ihre Schularbeiten. Und dann, fügte er hinzu, können Sie ja noch einmal vorsprechen. Beim nächsten Jubiläum … in 1.000 Jahren …«***)

    Nachbemerkung

    Hermanns Zorn über die Lipper ist zweifellos berechtigt. Es ist allerdings mildernd zu berücksichtigen, dass die lippischen Denkmalpfleger, die Misere nicht alleine zu verantworten haben. Wo es um viel Geld und Prestige geht, positionieren sich einflussreiche Interessenverbände: Die umtriebige »Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH« hat von der EU über 2 Millionen Euro Fördermittel für die Errichtung eines Besucherzentrums eingeworben. Die Universität Osnabrück hat von der Volkswagenstiftung über 700 Tausend Euro für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Funde erhalten. Und die Landesregierung Niedersachsens wird nicht müde, sich in ihren Broschüren der Kalkrieser Errungenschaften zu rühmen. Schon um die potenten Förderer und Spender nicht zu brüskieren, kann das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen doch nur lauten, dass Kalkriese der Ort der Varusschlacht selber ist und nicht eines Kampfplatzes, der archäologisch zwar außergewöhnlich gut konserviert aber historisch von nachrangiger Bedeutung ist. Nun macht es aber einen großen Unterschied, ob man sich als williges oder eigenwilliges Rad im Getriebe der großen Verteilungskämpfe präsentiert. Niemand hätte die lippischen Denkmalpfleger daran hindern können, die gravierenden archäologischen und historischen Schwachstellen, die mit einer Verortung der Varuskatastrophe in Kalkriese verbunden sind, öffentlich zu diskutieren. Zudem hätten die Lipper den nationalen Mythos auch auf archäologisch relevante Weise beleuchten können, in dem sie der Frage nachgegangen wären, wie sich der nationalen Mythos und seine Inkarnation im Hermannsdenkmal auf die wissenschaftliche Standortsuche der Schlacht ausgewirkt hat.

    Das ›deutscheste‹ aller Denkmale, im ›deutschesten‹ aller Wälder ist für die Parteigänger einer eher linken Weltschauung bekanntlich mehr ein Schand- als ein Ehrenmal. Für diese Leute symbolisiert es als Relikt aus wilhelminischer Zeit den Hort und Ursprung allen Bösen, nämlich die Nation. Erst vor wenigen Jahren hat die »Junge Linke« (gegen Nation und Kapital) anlässlich seines 150-jährigen Jubiläums eine Kampfschrift mit dem Titel »Das Hermannsdenkmal kann, muß und wird gesprengt werden! Den Mythos angreifen- Die Sache treffen!« publiziert. Was liegt da näher als die Vermutung, dass eine Generation von Archäologen, die maßgeblich von der 68-Bewegung, also der Hauptblütezeit linker Phantasien, geprägt wurde, die Verlagerung des Schlachtortes von Lippe nach Kalkriese mit einem gewissen intellektuellem Wohlgefühl vorgenommen oder doch zumindest begleitet hat. Denn, für wen schon die Existenz des Hermannsdenkmals als nationales Symbol schwer erträglich ist, für den muss es schier unerträglich sein, wenn es archäologisch auch noch an der richtigen Stelle stehen sollte. Wer also – wie die lippischen Denkmalpfleger – den nationalen Mythos der Varusschlacht unter Auslassung der archäologischen Befunde und historischen Quellen, die für einen Schlachtstandort in Ostwestfalen-Lippe sprechen, thematisiert, übersieht einen gewichtigen Punkt. Und der lautet, dass Denkmale manchmal auch an der richtigen Stelle stehen. In diesem Punkt ist Hermann zu recht sauer auf die Lipper, zumal er nach der reibungslosen Entsorgung des Schlachtortes aus Lippe befürchten muss, dass auch noch sein irdisches Denkmal nach Kalkriese entsorgt wird.

     

     

     

    Dr. Horst Leiermann

    Dr. Horst Leiermann ist Architekt und Hobbyarchäologe. Durch originelle Aktionen (die eine gewisse Verwandtschaft mit den Happenings der 1960er Jahre nicht verleugnen können) gelingt es ihm wieder, die hauptamtlichen Denkmalpfleger und zuständigen Archäologen aus der Reserve zu locken. In 2005 verblüffte er die Denkmalpfleger in Detmold damit, in dem er direkt gegenüber vom Eingang des lippischen Landesmuseums Plakattafeln platzierte, auf denen er über »Tiberius in Lippe« informierte. Leiermann ist Autor der Gelbbücher. Das sind in typisch lockerer (Architekten-)Skizzenbuch-Manier zusammengestellte Materialsammlungen zur Präsenz der Römer in Germanien.

     

     

    Anmerkungen

    *) Schlüter, Wolfgang & Lippek, Wolfgang (2008): »Die Schlacht – Plausible Gründe zur Varuskatastrophe in Ostwestfalen-Lippe«. – Bielefeld

    **) Aufgrund der unübersehbar großen Zahl römischer Elemente in der Klosterkirche Corvey haben sich die zuständigen Denkmalpfleger auf die Sprachregelung geeinigt, dass die karolingischen Bauherrn in das Römertum geradezu vernarrt waren. Die Karolinger hätten angeblich ganze Tempel und Villen abreißen lassen, um sie als Spolien in ihren Gebäuden wiederzuwenden. Doch damit nicht genug, die Benediktiner der Karolingerzeit hätten sogar mediterrane Handwerker anreisen lassen, die noch in antiken Kunstfertigkeiten kundig waren. Im Ergebnis sei die erste Klosterkirche ein fast detailgetreuer Nachbau einer römischen Halle geworden. Die Denkmalpfleger räumen allerdings ein, dass eine so farben- und sinnenfroh gestaltete Kirche im Europa der karolingischen Kaiser einmalig ist. Fürwahr eine abenteuerliche Konstruktion, hinter der sich unsere Denkmalpfleger da verschanzt haben. Selbst das Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« hat im Artikel »Mönche als Mythenmaler« vom 11.08.2008 ausführlich darüber berichtet, dass heidnische Bilder eines der ältesten Gotteshäuser Deutschlands schmücken. Darin kommt neben Leiermann auch der verantwortliche Ausgräber Uwe Lobbedey zu Wort. Eine Faktizität vortäuschend, die längst nicht mehr gegeben ist, meint der spöttisch bemerken zu müssen: »Wenn Corvey römisch ist, dann muss es auch Ufos geben«. Tatsächlich sitzt er mit seiner Kathederlehre längst in einem Ufo, das sich mit Überlichtgeschwindigkeit von der Indizienlage entfernt.

    ***) Berücksichtigt man die Phantomzeitthese von Heribert Illig kann das nächste vierstellige Jubiläum der Varuskatastrophe schon in 297 Jahren gefeiert werden. Dann sind genau zwei chronologiebereinigte Jahrtausende seit der Schlacht vergangen. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass man in Walhall nicht um die These von den drei überflüssigen Jahrhunderten im frühen Mittelalter weiß. Hermanns Ordonanz-Offizier hat hier wohl Rücksicht auf Leiermann genommen, der sich (noch) nicht für diese These begeistern kann.

    G.M., 23.08.09


     

     

    Illias-Fries in Corvey

    Fragment eines antik-heidnischen Frieses, der eine Szene aus Homers Illias zeigt, im Westwerk des Klosters Corvey. Odysseus steht auf dem Schwanz der Skylla und stößt einem Skyllahund eine Lanze in den Rachen. Nach offizieller Lehrmeinung ist die Darstellung nicht antik, sondern karolingisch: Das »grausame Meer« sei für Mönche der Karolingerzeit ein »Sinnbild für die Versuchungen der Welt« gewesen. Ein von Leiermann angefragter Benediktiner distanzierte sich von der Unterstellung, seine Vorgänger hätten anstößige antike Motive (wie auch die pornographieverdächtige ›Schaumgeburt der Venus‹) in einer Klosterkirche dargestellt.

     

    Die Wahrheit über die Varuskatastrophe

    Die Varusschlacht war – nach allem was wir aus den historischen Quellen wissen – keine Feld-, sondern ein Abnutzungsschlacht, die sich über mehrere Tage und Kilometer hinzog. Zu den perfidesten Techniken, mit denen das germanische Heer die römischen Legionen demoralisierte, zählte die List, speziell ausgebildete Kämpfer (»special forces«) in den Tross einzuschleusen. Im unübersichtlichen Gelände bemächtigten sich die meist cheruskischen Elitekämpfer mit unglaublicher Kaltblütigkeit und handwerklicher Geschicklichkeit der Hinterachsen der römischen Packwagen. Auf diese Weise kam der Tross immer wieder ins Stocken, bis er schlussendlich soweit von den römischen Hauptkampfverbänden entfernt war, dass er problemlos von Hermanns Mannen überfallen und ausgeplündert werden konnte.

    Um die demoralisierende Wirkung der tief in den feindlichen Linien eindringenden Kommandounternehmen noch zu verstärken, wurden sie propagandistisch ausgeschlachtet. Dazu präsentierten sich die blonden Recken nach einem erfolgreich durchgeführten Einsatz (manchmal kamen auch die Kämpfer unter die Räder...) in lässiger Treckingkleidung mit ihren erbeuteten Achsen speziellen Kriegsberichterstattern (»embedded journalists«). Diese wurden auf Befehl der obersten Heeresführung, also Hermanns, der schon frühzeitig die Bedeutung der psychologischen Kriegsführung erkannte, in vorderster Front mitgeführt. Die obige Abbildung zeigt eine der wenigen erhaltenen Aufnahmen. Sie ist wohl in einem Hohlweg an einem Gebirgspass in der Nähe der Externsteine entstanden, der zuvor von germanischen Kampfverbänden zurückerobert worden war. Die in den anstehenden Kalkstein gehauenen, passgenauen Fahrspuren zeigen, dass hier noch vor kurzer Zeit der römische Nachschub rollte.

    G.M., 23.08.09


     
     

     

    Wenn einer das Schönste findet, was er sich vorstellen kann…

    Der stellvertretende Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Daniel Bérenger, ist ein beneidenswerter Mensch, denn er hatte das Glück zu entdecken, was er sich vorher kaum zu erträumen wagte. Kurz vor seiner Pensionierung war es ihm vergönnt, gegenüber den Medien zu verkünden1): »Wir haben das Schönste gefunden, was wir uns vorstellen konnten – wir haben ein Römerlager gefunden.« Und zwar nicht irgendein Römerlager, sondern wahrscheinlich das Römerlager, in dem »Varus im Jahre 9 residiert hat, bevor er in die Schlacht gezogen ist«. Diese kühne Behauptung erläuternd, fügt er hinzu2): »Die Funde stehen auf jeden Fall in einem militärischen Zusammenhang und sehen so aus, als wenn sie aus der Zeit von Haltern, also 4 bis 9 nach Christus, stammen. (…) Normalerweise wird gegraben und Indizien gesammelt, die gedeutet werden. In diesem Fall sind die Funde so eindeutig, dass wir vor Beginn der Grabungen schon wissen, wo wir sind.« Angesichts des bescheidenen Umfangs der ersten Funde (eine keltische und drei römische Münzen, einen Sandalennagel und eine römische Gewandspange) sind dies bemerkenswert spekulative Aussagen für einen hauptamtlichen Archäologen, der für seine Zunft beansprucht, im Unterschied zu vielen »fieberhaft« agierenden Hobbyarchäologen mit »Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein« vorzugehen.3) Sie verdienen daher, näher analysiert zu werden.

    Wer ist »wir haben gefunden«, und wenn ja, wie viele...?

    »Wir« sind – wie so oft – auch in diesem Fall keine hauptamtlichen Archäologen, sondern hinter »wir« verbergen sich engagierte Hobbyarchäologen. In diesem Fall eine Gruppe von drei Sondengängern um den Griechen Vassilios Efstratiadis. Die hatten den Bodenaushub auf einer Baustelle im Baugebiet »Auf der Lake« in Porta Westfalica-Barkhausen mit einer Metallsonde untersucht und waren fündig geworden. Bérenger hatte zwar schon vor den Sondierungen der Hobbyarchäologen seine eigenen Archäologen zweimal ins Feld geschickt, um die Straßentrassen des Baugebietes nach Spuren römischer Hinterlassenschaften abzusuchen4), den offiziellen Suchtrupps blieb allerdings verwehrt, was den Sondengängern um Efstratiadis kurze Zeit später gelang, nämlich Funde aus römischer Zeit aufzuspüren. In der Presse wurde dann berichtet, dass die Hobbyarchäologen ihre Sondierungen auf Veranlassung des Landschaftsverbandes durchgeführt hätten5). Dies trifft jedoch nicht zu, wie mir Efstratiadis auf telefonische Nachfrage versicherte. Er und seine zwei Kollegen hätten auf eigene Faust gehandelt. Die Wahl des Standorts sei mehr oder weniger zufällig und hinge vielleicht damit zusammen, dass bei Bodenaushubarbeiten in der Umgebung des neuen Baugebiets schon früher Funde gemacht worden seien, die aber zerstört wurden oder verloren gingen, weil niemand deren archäologischen Wert erkannte und sich niemand dafür interessierte.

    Für unseren Protagonisten Bérenger ist Amateurarchäologe allerdings nicht gleich Amateurarchäologe. So differenziert er zwischen »ehrenamtlichen Helfern der Bodendenkmalpflege, die keine Interviews geben, sondern still und aufmerksam Baustellen kontrollieren und gepflügte Äcker begehen, dabei Fundstellen und Bodendenkmäler entdecken, die sie dem Landesmuseum unverzüglich melden« und »medienwirksamen Hobbyforschern«, die »auf das populistische Reizthema Varusschlacht« fixiert sind und »es geschafft haben, in Lippe einen überflüssigen Streit um die Varusschlacht anzuzetteln und durch einflussreiche Unterstützung eine unerträgliche Stimmung im Lande zu erzeugen.«3) Kurz: Ein Amateurarchäologe hat schweigsam und zuverlässig zu sein und das Denken und die Öffentlichkeitsarbeit den Profis in den Amtsstuben zu überlassen. Da verwundert es nicht, dass er Hobbyarchäologen, die sich nicht daran halten und eigene Theorien publizieren, auch schon mal Raubgräbertum und Fundunterschiebung unterstellt. Im konkreten Fall traute er gleich zwei (!) erfolgreichen Sondengängern zu, dass sie einen aussagekräftigen Leitfund aus dem Rheinland nach Lippe eingeschleppt hätten, um so ihren »fieberhaften Arminius-Träumereien« mehr Gewicht zu verleihen. Man könnte die Geschichte natürlich auch so interpretieren, dass Bérenger jedes Mittel recht ist, um aus offizieller Sicht unangenehme Funde oder unerwünschtes Engagement aus der lippischen Welt zu schaffen.

    Wie kam es zu Bérengers euphorischer Reaktion auf die Funde in Barkhausen, und warum ist sie so irritierend?

    Der Sondengänger Efstratiadis gehört zweifelsfrei zu den von offiziellen Stellen gern gesehenen Amateurarchäologen. Am 08.07.08 informierte er Bérenger telefonisch über seine jüngsten Funde. Bei dem löste die Meldung einen erstaunlichen Prozess aus 2): »›In der Nacht habe ich nachgedacht‹ erinnert sich Bérenger (…). ›Die Fibel, die Münzen. Und ich dachte: Ja, jetzt haben wir es.‹« Bérengers spontane Reaktion irritiert angesichts der wenigen und als Indizien für einen Lagerstandort wenig aussagekräftigen Funde. Sie irritiert auch dann noch, wenn man berücksichtigt, dass ›Römerforscher‹ schon seit langem im Bereich Porta ein Römerlager vermuteten6). (Bekanntlich hatte der berühmte Historiker Theodor Mommsen, der als einer der ersten Historiker in Kalkriese den Schauplatz der Varusschlacht sah, sogar passend dazu am Weserdurchbruch bei Porta das Sommerlager des Varus vermutet.) Interessanterweise hatte der selbe Sondengänger fast genau zwei Jahre zuvor und nur knapp einen Kilometer weiter nördlich im geplanten »Gewerbegebiet Barkhausen – Zwischen den Dämmen« mindestens ebenso aussagekräftige Funde gemacht7): »Drei römische Denare, zwei spinnwirtelförmige Bleigewichte und zwei bronzene Grapenfüße«. Diese Funde hatten bei Bérenger aber nicht im Entferntesten so ein Heureka-Erlebnis ausgelöst wie im aktuellen Fall, geschweige denn, dass sie ihn dazu veranlasst hätten, einen Medienzirkus um das ›letzte Nachtlager des Varus‹ zu initiieren. Stattdessen ist dem Denkmalpflegebericht für 2006 zu entnehmen, dass er damals ohne jeglichen Presserummel eine kleine Teilfläche untersucht und diffuse Siedlungsspuren aus der römischen Kaiserzeit gefunden hat.

    Was um alles in der Welt hat Bérenger verleitet, wilde Spekulationen über das letzte Lager des Varus loszutreten?

    Daniel_Bérenger_mit_Gewandspange_aus_Porta
    Bérenger präsentiert sich in der Öffentlichkeit gerne als ein umsichtig-rational denkender und handelnder Archäologe. Er legt großen Wert darauf, sich anders als die meisten Hobbyforscher (aber auch einiger seiner Kollegen) nicht an verbissenen Spekulationen über den Schauplatz der Varusschlacht zu beteiligen. Anlässlich der Funde in Barkhausen kleidete er seine Einstellung gegenüber der Presse in markig-kokette Worte1): »Die Varusschlacht hat mich nie interessiert, die ganze Struktur vor dem Kollaps ist viel interessanter. Den Kollaps können die Niedersachsen gerne behalten.« Was mag in ihn gefahren sein, dass er trotz der bisher vergleichsweise dürftigen Funde nun plötzlich selber wildeste Spekulationen – zwar nicht über die Örtlichkeit der Schlacht, aber immerhin über die letzte Nacht des Varus – lostritt? Wir erinnern uns: Bis zur Presseerklärung des Landschaftsverbandes vom 07.08.08 hatte man in Barkhausen ein paar Münzen, eine Gewandspange, Sandalennägel, Bleilote und ein Mühlsteinfragment, aber noch nicht einen einzigen Befestigungsgraben gefunden. Also durchweg Funde, die zwar mit einiger Sicherheit Rückschlüsse auf die Anwesenheit römischer Legionäre zulassen, die aber keinesfalls ausreichen, um auf den Standort eines Römerlagers zu schließen. Umso erstaunlicher der Originalton Bérenger zur Wahrscheinlichkeit, ein Lager gefunden zu haben2): »Da es Menschen gibt, die Bedenken haben, spreche ich von einer Wahrscheinlichkeit von 99 % (...) Aber in meinen Knochen sitzen 100 Prozent.« Da drängt sich die Frage auf, was einen ausgewiesenen hauptamtlichen Bedenkenträger bewegt, ausgerechnet in diesem Fall keine Bedenken zu haben?

    Darauf gibt es womöglich eine sehr plausible Antwort: Das Jubiläumsjahr der Varusschlacht in 2009 steht vor der Tür, und es ist kaum mehr zu übersehen, dass unsere ostwestfälischen Denkmalpfleger dafür schlecht ›aufgestellt‹ sind oder doch zumindest befürchten müssen, gegenüber den gewieften Kalkriesern zunehmend ins Hintertreffen zu geraten. Und im Windschatten eines abnehmenden öffentlichen Interesses drohen bekanntlich auch – das Schönste, was man sich vorstellen kann… nämlich – die öffentlichen Gelder zu versiegen. Bereits im Vorfeld des Jubiläums hatte die hauptamtliche Archäologenschaft Prügel von engagierten lippischen Historikern und Amateurarchäologen einstecken müssen8). Ihnen wurde vorgeworfen, kampflos und ohne Not, d. h. ohne wissenschaftlich überzeugende oder gar zwingende Indizien9) den Kalkriesern den Schauplatz der Varusschlacht zu überlassen und sich selbst mit dem Mythos der Schlacht zu begnügen. Denn was für die Kalkrieser der Fundplatz »Oberesch« ist, das ist für die Lipper der Fundplatz »Winnfeld«. Auf dem südlich von Detmold gelegenen Winnfeld wurden laut glaubhaften Berichten aus einigen hundert Jahren immer wieder Funde, die auf ein Kampfgeschehen in römischer Zeit hinweisen, ausgepflügt bzw. ausgegraben10). Und schon von den Humanisten und gebildeten Ständen des 16. Jahrhunderts wurde die Varusschlacht hier verortet. Kurzum, je mehr sich das Jubiläumsjahr näherte, um so dringender bedurfte es eines Befreiungsschlages, damit die ostwestfälischen Archäologen nicht als amtliche Deppen dastehen, die sich mehr an den Mythos des Hermannsdenkmals als an Funde und eine ausgewiesene Fundgeschichte klammern.

    Vor dem Hintergrund dieses Dilemmas wird Bérengers irritierend-euphorischer Ausruf »Ja, jetzt haben wir es!« ganz zwanglos verständlich. Der Sondengänger Efstratiadis hatte ihm nicht nur einige römische Fundstücke gemeldet, sondern zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort eine optimale Vorlage für einen Befreiungsschlag geliefert: Den Hinweis auf ein mögliches Römerlager in annehmbarer Entfernung zu Kalkriese und außerhalb von Lippe. Dies war bei entsprechend geschickter Vermarktung nicht nur geeignet, seinen hartnäckigen lippischen Widersachern den Wind aus den Segeln zu nehmen, sondern auch das öffentliche Interesse wieder auf die gute Arbeit der in die Kritik geratenen ostwestfälischen Denkmalpflege zu lenken. Und in der Tat war die regionale und überregionale Medienresonanz auf die Pressemitteilung des LWL vom 07.08.08 enorm. Bérengers Spekulationen über das letzte Lager des Varus vor seinem Zug ins Verderben bestimmten vom Mindener Tageblatt bis hin zum FOCUS Online die Schlagzeilen. Auch die Politik und die Ministerialbürokratie waren schnell zur Stelle: Portas Bürgermeister Stephan Böhme fabulierte am Ausgrabungsort von einem »Glücksgefühl über diesen offensichtlich kulturhistorisch bedeutsamen Platz« und darüber, wie man ihn im Jubiläumsjahr 2009 vermarkten könnte5). Und Thomas Otten, Referatsleiter Bodendenkmalpflege und Bodendenkmalschutz im Düsseldorfer Bauministerium, meinte vor Ort bestätigen zu müssen, dass der Lagerstandort gut zu den »historischen Quellen« sowie von der Distanz her zu Haltern und Kalkriese passe11).

    Und die Moral von der Geschichte: Da kann man einmal sehen, welchen Berg schmutziger Wäsche der Archäologe Bérenger reinwaschen wollte, als er den Medien ganz verzückt verkündete: »Wir haben das Schönste gefunden, was wir uns vorstellen konnten – wir haben ein Römerlager gefunden.«

    Quellennachweise

    1) n-tv.de vom 07.08.2008: »Römerlager gefunden«, URL: http://www.n-tv.de/100056646.html

    2) FOCUS Online vom 08.08.2008: »Auf den Spuren des Varus«, URL: http://www.focus.de/wissen/bildung/Geschichte/archaeologie-auf-den-spuren-varus_aid_323347.html

    3) Bérenger, Daniel (2003): »Heimatland Lippe – Streit um die Varusschlacht«. In: Archäologie in Ostwestfallen Bd. 8, 40- 42, Bielefeld

    4) Presseinfo des LWL vom 07.08.08: »Römische Funde an der Porta Westfalica«, URL: http://www.lwl.org/pressemitteilungen/mitteilung.php?urlID=18589

    5) Mindener Tageblatt vom 08.08.08: »Von der Weser aus ins Verderben«, URL: http://www.mt-online.de/mt/lokales/kultur/?cnt=2507467

    6) Kröger, Hannelore (2003): »Wohnen auf historischem Boden – Eine Zufallsentdeckung in Porta Westfalica-Barkhausen, Kreis Minden-Lübbecke«. – In: Archäologie in Ostwestfalen Bd. 8, 30-32

    7) Westfälisches Museum für Archäologie, Landesmuseum und Amt für Denkmalpflege, Altertumskommission für Westfalen (2007): »Neujahrsgruß 2007 - Jahresbericht für 2006«, Außenstelle Bielefeld, 45-61, Münster

    8) Schäferjohann-Bursian, Iris (2003): »Fehlstart in Lippe? – Das Varusschlacht-Jubiläum 2009 wirft seine Schatten voraus«. – In: Heimatland Lippe 96/3, 42-44

    9) Lippek, Wolfgang (2002): »Inhaltliche Strukturanalyse der Denarkomplexe von Kalkriese und Haltern – Widerlegung der ›Kalkrieser These‹ zum Ort der Varusschlacht«. – In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde Bd. 71, 223-263

    10) — (2008): »Beurteilungen römischer Funde auf dem Winnfeld im Teutoburger Wald«. – In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde Bd. 76, 347-353

    11) SZON vom 07.08.08: »Archäologen auf der Spur eines römischen Lagers«, URL: http://www.szon.denews/kultur/aktuell/200808070864.html

    G.M., 02.09.08


     
    Daniel Bérenger
    Dr. Daniel Bérenger

    Dr. Daniel Bérenger, der Vize-Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, legt Wert darauf, in der emotional geführten Debatte um die Varusschlacht betont sachlich und unaufgeregt zu argumentieren. Was mag in ihn gefahren sein, dass er anlässlich einiger römischer Fundstücke in Porta Westfalica-Barkhausen plötzlich über einen ›festen Wohnsitz‹ des glücklosen Feldherrn Varus vor der »theatralischen Kulisse« des Weserdurchbruchs phantasiert?

     

    Nachschlag - Römerlager in Porta Westfalica - Barkhausen

    Anfang August 2008 hatte sich der Vize-Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe Dr. Daniel Bérenger mit abenteuerlichen Spekulationen über die Infrastruktur der Varusschlacht ins öffentliche Rampenlicht gerückt. Trotz äußerst dünner Fundlage war sich Bérenger zu 100 Prozent sicher (»er spüre das in seinen Knochen«), in Porta Westfalica-Barkhausen nicht nur irgendein römisches Lager, sondern exakt das Lager gefunden zu haben, in dem Varus residierte, bevor er im Sommer 9. n. Chr. in die Katastrophe marschierte. Bérenger, der bisher eher das Image eines nüchtern denkenden, wenig visionären hauptamtlichen Bedenkenträgers hatte, verblüffte plötzlich mit hellseherischen Fähigkeiten: Ohne auch nur einen einzigen Befestigungsgraben gefunden zu haben (»die momentan untersuchte Fläche liege irgendwo mittendrin«), wusste er gegenüber den Medien nicht nur zu berichten, wie groß das Lager war (»mindestens 16 ha«), sondern auch, wo vermutlich die Kommandantur des Varus’ (»zeigt auf einen Hügel«) und die Mannschaftsunterkünfte (»und da die Baracken oder Zelte für 6.000 Soldaten«) gestanden haben.

    Die sensationellen Nachrichten wurden von den Medien bundesweit aufgegriffen: Die Schlagzeilen reichten vom eher realistischen »Auf den Spuren eines Römerlagers« bis hin zum grotesken »Wo Varus’ Mannen einst rasteten«. In der Folge entwickelte sich das Grabungsgelände zu einer Pilgerstätte für Archäologen aus der ganzen Republik. Besonders begeistert und stark vertreten die Archäologen aus Kalkriese, die wohl ihr Glück kaum fassen konnten, dass sie nur wenige Monate vor dem Beginn des Varusjahr 2009 ausgerechnet von den ostwestfälischen Denkmalpflegern massive Schützenhilfe für ihre in die Kritik geratene Verortung der Varusschlacht am Kalkrieser Berg bekamen. Auch dem einfachen Volk wurde Gelegenheit zum Staunen vor Ort gegeben. Kurzfristig wurde das Grabungsgelände in das Besichtigungsprogramm für den »Tag des offenen Denkmals« am 14.09.08 aufgenommen. Für die vor Ort verantwortliche Grabungsleiterin, Hannelore Kröger, drohte dies angesichts der im Vorfeld hochgeschraubten Erwartungshaltungen einerseits und der sehr bescheidenen Fundlage andererseits kein einfacher Tag zu werden.

    Was hatte sie vorzuweisen? Ein paar römische Münzen, eine Gewandspange, ein Ziergesicht vom Henkel einer Bronzekanne, Sandalennägel, Bleilote und -gewichte und ein Mühlsteinfragment, das sowohl römischer als auch germanischer Herkunft sein könnte. Darüber hinaus jede Menge germanischer Tonscherben und Leichenbrandspuren. Aber eben nichts, was als einigermaßen verlässliches Indiz für ein römisches Marschlager taugte. Es war nicht einmal klar, ob die Spuren auf ein römisches oder eher auf ein germanisches Lager hindeuteten. Vergleichsweise sichere Indizien gab es nur für einen cheruskischen Friedhof, der von ihrem Chef Bérenger flugs in die Zeit nach dem Abzug der Römer datiert worden war. Dabei hatte man erheblichen Aufwand betrieben, um fündig zu werden. Fast zwei Dutzend Ausgräber waren auf dem Gelände seit Wochen im Dauereinsatz, und extra aus dem Südwesten der Republik hatte man Spezialisten anreisen lassen, die das Gelände elektromagnetisch sondierten. Eine dabei gefundene vielversprechende lineare Bodenstruktur erwies sich jedoch nicht als der herbeigesehnte römische Spitzgraben, sondern als nachkriegszeitliches Fernmeldekabel der britischen Besatzer.

    Kröger zeigte sich daher gegenüber dem Besucherstrom sichtlich bemüht, die von ihrem Chef ins Exorbitante beförderten Erwartungshaltungen wieder auf ein vertretbares Niveau zurückzuschrauben. Sie räumte wiederholt ein, dass bislang nichts gefunden wurde, was einigermaßen belastbar auf die Existenz eines Römerlagers, geschweige denn auf das Sommerlager des Varus’ hinweisen würde. Bestätigt seien bisher nur die Anwesenheit römischer Legionäre. Soviel Zurückhaltung war aber gegenüber den vielen Besuchern gar nicht erforderlich, denn schon ihre schlichte Bemerkung: »Hier sind die Römer gewesen«, wurde von der Menge (die Presse sprach von »Massen«) »staunend« zur Kenntnis genommen. Dagegen zeigt sich Bérenger, der offenbar besser weiß, wie es um die Kritikfähigkeit der Öffentlichkeit bestellt ist, weiterhin ungebrochen optimistisch. Er glaubt fest daran, doch noch einen römischen Spitzgraben oder eine Münze mit dem Gegenstempel des Varus zu finden. Er ist sich seiner Sache so sicher, dass er meint, sogar spöttelnd bemerken zu können, dass man wohl nie einen Zettel finden wird, »auf dem Varus ›Ich war hier‹ geschrieben hat«. Da möchte man hinzufügen: Wozu auch, denn nach eigenem Bekunden bezieht er seine Gewissheit ja weniger aus den Befunden, als aus der Befindlichkeit seiner Knochen!

    Um Missverständnissen vorzubeugen: Von mir wird durchaus für möglich gehalten, dass sich am Weserdurchbruch und vielleicht sogar auf der jetzt untersuchten Fläche ein Römerlager befunden hat. Kritisiert und attackiert wird hier die von der tastsächlichen Befundlage völlig abgekoppelte Inszenierung eines Grabungsgeländes durch den Vize-Chefarchäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Dem geht es offenbar weniger darum, die Öffentlichkeit seriös über neue Funde zu informieren, als vielmehr im bevorstehenden Varusjahr 2009 in den Medien gut positioniert zu sein. Wenn Herr Bérenger wirklich so besessen davon ist, Römerlager zu finden, wie er derzeit überall vorgibt, dann sollte er, statt alberne Spekulationen über den Standort der Kommandantur des Varus’ in die Welt zu setzen, z. B. das ihm wohl bekannte Buch »Römer an Lippe und Weser« des (leider schon verstorbenen) Studienrates und Amateurarchäologen Rolf Bökemeier zur Hand nehmen. Darin findet er eine Vielzahl von vermuteten Standorten für Römerlager in Ostwestfalen-Lippe, die durch zahlreiche Indizien (Luftbildauswertungen, Prospektionen, Funde, historische Quellen) plausibel belegt sind.

    Denn, erfolgversprechender als heiße Luft über einer dünnen Befundlage zu quirlen, ist es sicherlich, mit dem Spaten überall dort die Erde zu bewegen, wohin bereits zahlreiche Indizien deuten. – Allerdings nur, wenn man unter Erfolg die Funde römischer Hinterlassenschaften versteht und nicht das Erscheinen des eigenen Namens in den Medien.

    Quellennachweise

    WDR.de vom 14.09.08: »Varus’ letztes Lager«; URL: http://www.wdr.de/themen/wissen/archaeologie/varusschlacht/lager.jhtml

    Mindener Tageblatt vom 15.09.08: »Wo Varus’ Mannen einst rasteten«; URL: http://www.mt-online.de/mt/lokales/minden/?cnt=2576670

    Bökemeier, Rolf (2004): »Römer an Lippe und Weser – Neue Entdeckungen um die Varusschlacht im Teutoburger Wald«. Höxter

    G.M., 21.09.08

      Grabungsgelaende-Roemerlager-Barkhausen

    Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe betreibt im Neubaugebiet »Auf der Lake« in Porta Westfalica-Barkhausen einen erheblichen Aufwand, um belastbare Indizien dafür zu finden, dass sich hier das Sommerlager des Varus’ befand. Diverse Ausgräber wurden von anderen Grabungsgeländen abgezogen und 15 Ein-Euro-Jobber sind im Dauersatz. Bisher ist es ihnen allerdings noch nicht gelungen, die abenteuerlichen Spekulationen des Vize-Chefarchäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe »Dr. Daniel Bérenger« über das letzte Lager des Varus’ mit Indizien zu unterfüttern. Und so drohte der »Tag des offenen Denkmals« am 14.09.08 kein einfacher Tag für die verantwortliche Grabungsleiterin vor Ort, Hannelore Kröger, zu werden.

     

    Fehlstart zum Varusjahr 2009: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe rudert sein vermeintliches Flaggschiff »Römerlager-Barkhausen« weit hinter die Startlinie zurück

    GrabungsgeländeWir erinnern uns: Mächtig hatte sich der Vize-Chefarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe Dr. Daniel Bérenger Anfang August 2008 ins Zeug gelegt und der staunenden Öffentlichkeit mitgeteilt: »Wir haben das Schönste gefunden, was wir uns vorstellen konnten – wir haben ein Römerlager gefunden.« Und zwar nicht irgendein Römerlager, sondern wahrscheinlich das Römerlager, in dem »Varus im Jahre 9 residiert hat, bevor er in die Schlacht gezogen ist«. Weil er das in »seinen Knochen spüre«, war er sich schon zu »100 Prozent« sicher bevor belastbare Funde entdeckt wurden.

    Am 17.12.08 näherte sich dann die Stunde der Wahrheit, in der die Öffentlichkeit erfahren sollte, wie es um die Verlässlichkeit von Bérengers Knochen bestellt ist. In einer Pressemitteilung kündigte der LWL für den 06.01.09 einen Ortstermin auf dem Grabungsgelände an, bei dem Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale eine Zwischenbilanz der Grabungsergebnisse in Barkhausen vorstellen würde. Was sie dort zu berichten hatte, resümierte das Mindener Tageblatt vom 07.01.09 sachlich-nüchtern wie folgt:

    »Zelthering weist auf vorübergehende Nutzung hin (...) Das Sommerlager des Varus ist es wohl nicht, was Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Barkhausen am Ufer der Weser gefunden haben. Diese erste optimistische Einschätzung aus dem Sommer rücken die Historiker nach einem halben Jahr Ausgrabungen zurecht.« Erstaunlicherweise war in dem gesamten Artikel keine Stellungnahme von Bérenger zu lesen, obwohl er auf dem Ortstermin anwesend war. Schwieg er aus Scham oder haderte er nur still mit der Verlässlichkeit seinen Knochen?

    Dafür legte sich Rüschoff-Thale um so mehr ins Zeug. Sie mühte sich allerdings vergeblich, an die Euphorie, die Bérenger im August 2008 verbreitet hatte, anzuknüpfen: »Barkhausen sei ein wunderbarer Fundplatz zum Varus-Jahr. Eine der zahlreichen römischen Truppen ist hier vorbeigekommen und hat sich hier kurze Zeit aufgehalten«. Im Klartext: Statt des großspurig proklamierten Sommerlagers, in dem Varus eine seiner letzten Nächte verbrachte, hatte man einen Ort gefunden, an dem sich irgendwelche römische Truppen kurzzeitig aufgehalten hatten.

    Und weil es nicht viel Spannendes über die 20 römischen Objekte, die auf 5.000 Quadratmeter Fläche im Baugebiet »Auf der Lake« gefunden wurden, zu berichten gab, nutzte Rüschoff-Thale die Gelegenheit, über ihre berufliche Vergangenheit als Archäologin zu schwärmen: »Endlich mal wieder in einem Bauwagen. Das ist wie nach Hause kommen.« Und der kalte Wintertag sei das richtige Wetter um »Funde zu waschen«. Hatte sie das zuvor nicht bereits ziemlich erfolglos versucht?

    G.M., 22.01.09


      Grabungsgelaende-Roemerlager-Barkhausen

    Was von Bérengers »Sommerlager des Varus’« übrig geblieben ist, aber ein Zelthering, ein Mühlsteinfragment sowie ein paar Bleilote und Sandalennägel machen noch lange kein Sommerlager...

     

    Warum sich die Archäologen so schwer mit der Geschichte tun...

    In kaum einer Disziplin ist das Versagen oder die Beschränktheit schulwissenschaftlicher Forschung so schlecht zu verbergen, wie in der Archäologie. Dies hat verschiedene Gründe: Der erste besteht darin, dass sich die Archäologie in geradezu dogmatischer Verbohrtheit, der Pflege ihrer traditionellen Theoriebestände verpflichtet fühlt. Die tatsächliche Befundsituation und die unbefangene Erkenntnisfindung bleiben bei solch einer Einstellung regelmäßig auf der Strecke. Den typischen Archäologen zeichnet am Ende seiner universitären Ausbildung aus, dass er nur sieht (und das aber bis in kleinste Detail!), was sein darf und nur findet was sein kann. Mit anderen Worten, er zeigt ausgesprochen wenig Bereitschaft sich von ›merkwürdigen Befunden‹, die nicht zur herrschenden Lehrmeinung passen, irritieren zu lassen.

    So wird ein rechtsrheinisches Steingebäude auch wenn seine Mauerfugen zweifelsfrei aus römischem Mörtel (Abtei Corvey, Höxter) bestehen oder wenn gar eine nur aus römischen Gebäuden bekannte Unterbodenheizung und durch Isotopenuntersuchung römischer Bleiwasserrohre (Klosteranlage Tom Roden ebenfalls bei Höxter) nachgewiesen wurden, ignorant als mittelalterliche Anlage klassifiziert, weil die herrschende archäologische Lehrmeinung römische Steingebäude nur linksrheinisch zulässt. Der erste Direktor der Römisch-Germanischen Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Instituts Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Siegmar von Schnurbein hat in 2005 das archäologisch Denkbare wie folgt diktiert: »... östlich von Haltern haben die Römer keinen Stein angerührt. [Die] Meinung, die Römer hätten etwa in Höxter-Corvey, bevor die Mönche an die Weser kamen, ihrerseits ein castrum errichtet, ist schlicht indiskutabel.«

    Derselbe von Schnurbein hat allerdings - wenn es denn Not tut- keine Probleme, seine Dogmen über Bord zu werfen. Dies zeigt der Fund der römischen Stadtgründung Waldgirmes in der Nähe von Wetzlar. Hier hatte die ehrenamtliche Denkmalpflegerin Gerda Weller Ende der 1980er Jahre systematisch Äcker und Baugruben in der Nähe eines durch Luftbildauswertung identifizierten römischen Militärlagers abgesucht und Scherben von germanischer und römischer Herkunft gefunden. Die daraufhin eingeleiteten intensiven Erkundungen führten zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Römer hier offenbar mitten in Germanien eine Stadtgründung vorgenommen hatten, in der beide Völker friedlich koexistierten. Von Schnurbein, der zwischenzeitlich zum Chefarchäologen arriviert war, kommentierte wie folgt: »Es handelt sich um den ältesten römischen Steingrundriss, den wir überhaupt in Germanien kennen«. Mit anderen Worten, wenn man bedingt durch Funde, die nicht ignoriert werden können, mit einer Doktrin ins Hintertreffen zu geraten droht, ist es ratsam, sich durch deren superlative Verneinung an die Spitze der neuen Bewegung zu setzen.

    Der zweite Grund für das schwer zu verbergende Versagen der offiziellen Archäologie besteht darin, dass sich die Denkmalpflegebehörden mit Fragestellungen beschäftigen, die nicht in abstrakte, schwer kommunizierbare Wissenschaftswelten (wie z. B. die Quantenphysik) abdriften, sondern auch dem interessierten Laien relativ leicht zugänglich sind. Archäologische Befunde sind immer auch ein Bestandteil der heimatlichen Geschichte, und so gibt es viele Menschen, die sich nicht mit dem ›Konsumieren‹ archäologischer Forschungsergebnisse begnügen, sondern mit großem Engagement eigene Studien betreiben. Der Archetyp für diesen interessierten Laien ist sicherlich der Oberstudienrat im Ruhestand, der akribisch die lokale oder regionale Geschichte erforscht und mit seinen Befunden und Interpretationen die Arbeit der Denkmalbehörden unterstützend ergänzt. Dieser heimatverbundene Oberstudienrat hat heute aber Konkurrenz bekommen, nicht nur von Schatz suchenden Sondengängern oder nüchtern denkenden Ingenieuren, sondern auch von der gut organisierten archäologischen Arbeitsgruppe mit eigenem Internetauftritt.

    Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen privaten oder ehrenamtlichen Aktivitäten wirkt die Arbeit der Denkmalbehörden oft schwerfällig. Durch öffentlich geäußerte Kritik in die Defensive gedrängt, verteidigen die Denkmalbehörden ihren Mangel an Initiative stets damit, dass sie aufgrund ihrer personell und finanziell schlechten Ausstattung nicht in der Lage sind, jedem Hinweis nachzugehen. Vielmehr seien sie aufgrund der vielen Baumaßnahmen voll damit ausgelastet, von Notgrabung zu Notabgrabung zu eilen, um unmittelbar von der Zerstörung bedrohte Fundsituationen zur erfassen und auszuwerten. Kein Wunder, dass in den letzten Jahrzehnten regelmäßig findige Heimatforscher mit fundierten Monographien bestehende Geschichtsbilder in Frage stellen und Sondengänger, die weniger auf Lehrmeinungen als ihren Metall-Detektoren und ihrer Spürnase vertrauen, mit bestechenden Funden ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten. Der aufsehenserregendste Fund ist sicherlich die Himmelscheibe von Nebra.

    Auch wenn es sich bei dem zuvor erwähnten Fund zweifelsfrei um einen gravierenden Fall von Raubgräberei handelt, sollte man diesen Begriff vorsichtig verwenden. Die überwiegende Zahl der Sondengänger sind keine am schnellen Geld interessierten Schatzsucher, sondern Hobbyarchäologen, die sich häufig sogar redlich bemüht haben, bei den zuständigen Denkmalbehörden Anerkennung für ihre Arbeit zu finden und mit ihnen zusammenarbeiten. Leider neigt die hauptamtliche Archäologenschaft dazu, solcherlei laienhaftes Engagement zu belächeln und als lästige Konkurrenz zu empfinden. Nicht auszuschließen, dass durch solcherlei Ablehnung mancher enttäuschte Sondengänger in die mehr oder weniger professionelle Raubgräberei abgedrängt wurde. Dabei lautet der am Häufigsten gegen Hobbyforscher ins Feld geführte Vorbehalt, dass sie Funde entwerten, in dem sie Fundsammenhänge zerstören. Tastsächlich sind Fundstücke durch die intensive Landnutzung der Industriegesellschaft aber oft häufig einer viel stärkeren Bedrohung und Entwertung ausgesetzt, wenn sie nicht geborgen werden.

    Die Fronten zwischen hauptamtlicher und Hobbyarchäologie sind durch den disziplinären Aberglauben definiert, dass qualifizierten Experten auf der einen Seite wissenschaftliche Laien auf der anderen Seite gegenüber stehen. Dies ist ein Aberglauben, weil man erstens keine Universität besucht haben muss, um sich in ein Fachgebiet einzuarbeiten und zweitens die so genannten Laien, durch ihr berufliche Herkunft häufig Experten auf Gebieten (wie z. B. Architektur oder Straßenbau) sind, in denen universitäre Archäologen fast durchweg durch Laientum glänzen. Hinzu kommt, dass gerade die Tatsache, dass Hobbyforscher keine archäologische Kaderschmiede durchlaufen haben, die besten Voraussetzungen dafür schafft, dass sie eine größere Bereitschaft zeigen, sich von unerwarteten Befunden irritieren zu lassen. Hobbyarchäologen (und Sondengänger) sind somit ein zwar vielleicht lästiges, aber notweniges Korrektiv zur hauptamtlichen Archäologenschaft.

    Im Folgenden soll die Problematik an zwei Texten vertieft werden: Der bemerkenswerte erste Text (nur die Überschriften sind von mir) stammt aus einem Internet-»Geschichtsforum«. Der Autor ist ein Forumsmitglied mit dem Nickname »Cato«. Der zweite Text ist eine kurze Zusammenschau von Kernaussagen aus Vorträgen und Schriften* des promovierten Architekten Dr. Horst Leiermann, Essen, der sich um die Erforschung der rechtsrheinischen römischen Logistik und Infrastruktur verdient gemacht hat.


      Dr. Grote, international erfahrener Kreisarchäologe

    Dr. Grote, international erfahrener Kreisarchäologe, wurde erst durch Hinweise aus Raubgräberszene darauf aufmerksam, dass direkt vor seiner Haustür eine archäologische Sensation liegt.

     

    Über die Arbeit des Denkmalschutzes

    Der Fall des Römerlagers Hedemünden

    Die von Oppermann-Schuchardt als germanische Fliehburg der vorrömischen Eisenzeit bezeichnete Hünenburg bei Hedemünden (Kreis Göttingen) wurde 1965 abermals einer genaueren Untersuchung unterzogen. Der Frühgeschichtler H.-G. Peters konnte anhand einer Reihe von Flächenschnitten und zwei C14-Daten von Holzkohle die Angaben Oppermann-Schuchardts bestätigen.

    Erst als Ende der 1990er Jahre Hinweise auf römische Funde aus Kreisen privater Sondengänger an den Kreisarchäologen Dr. Grote herangetragen wurden, widmete man sich erneut der Befestigungsanlage oberhalb der Werra. Bereits bei der ersten Begehung war das Ergebnis äußerst überraschend. Dicht unter der Oberfläche konnten zahlreiche Metallobjekte eindeutig römischer Herkunft geborgen werden (leider wurden auch viele Spuren illegaler Sucher vorgefunden). Die darauf gefasste Vermutung, es handele sich um eine Anlage römischen Ursprungs, konnte in den folgenden Kampagnen bestätigt werden.

    Die ganze Geschichte entbehrt nicht einer gewissen Komik, da der zuständige Kreisarchäologe, der bereits seit 18 (!) Jahren in Göttingen in Diensten stand, erst durch die Aktivitäten von Laien darauf hingewiesen werden musste, dass sich gewissermaßen direkt vor seiner Haustür ein sensationelles Objekt befindet, das in der wissenschaftlichen Literatur lediglich falsch gedeutet war.

    Aus dem Dornröschenschlaf erwacht, erforscht Herr Dr. Grote nun die Anlage mit umso größerem Enthusiasmus und überzeugt in seinen Vorträgen und Veröffentlichungen mit wissenschaftlicher Kompetenz. Aber hätte es erst soweit kommen müssen? Welche Funde von Hedemünden gingen zuvor durch Raubgräberei der Wissenschaft für immer verloren?

    Der Fund des Römerschlachtfeldes in Kalkriese

    Als 1987 ein etwas sonderbarer britischer Offizier mit einem noch sonderbareren Gerät an den Osnabrücker Kreisarchäologen Dr. Schlüter mit der Bitte herantrat, nach römischen Münzen bei Alt-Barenau (Bramsche-Kalkriese) suchen zu dürfen, wurde er etwas mitleidig belächelt. Seit Jahrhunderten wurden auf den dortigen Feldern Denare der Republik und frühen Kaiserzeit gefunden, aber wer würde heute Kalkriese kennen, wenn Mr. Clunn nicht so an diesem Ort interessiert gewesen wäre?

    Der Numismatiker Frank Berger hat 1984 ein kleines Büchlein unter dem Titel »Römisches Geld gefunden in Niedersachsen« veröffentlicht und die umfangreichen Funde von Alt-Barenaue ausdrücklich erwähnt. Warum ist er dieser Sache nicht, in Kooperation mit Dr. Schlüter, weiter nachgegangen, sondern hat auf Tony Clunn gewartet? Es drängt sich der Verdacht auf, dass unsere Archäologen jahrzehntelang etwas witterungsscheu waren und die Initiative stets von Hobbyforschern ausging.

    Man könnte nun entgegnen, es mangele den Denkmalschutzbehörden an den notwendigen finanziellen Mitteln. Warum greift man aber nicht vermehrt auf ehrenamtliche Sucher zurück? Tony Clunn hat dem Land Niedersachsen keinen Cent gekostet! Natürlich hört man dann, dass Laien mehr zerstören, als sie der Wissenschaft Nutzen bringen. Diese Sicht der Dinge ist allerdings realitätsfremd, da ohnehin in großem Ausmaß gesondelt wird.

    Das partielle Erwachen der Archäologenschaft

    Nach dem Fall von Hedemünden ist man zumindest in Niedersachsen aufgewacht und untersucht, nach den Aussagen Dr. Grotes, einige verdächtige Wallanlagen im Wettlauf mit illegalen Sondengängern erneut. Da man die ungefähre Marschleistung römischer Heeresverbände in Germanien einschätzen kann, sollte es möglich sein, so Dr. Grote, weitere (bekannte) Befestigungen eventuell als römisch zu identifizieren.

    Und siehe da: man hat auch schon zwei Objekte (bei Peters noch als »Hünenburgen« bezeichnet) ausgemacht, die nach näherer Betrachtung als heiße Kandidaten römischer Lager angesehen und bereits der genaueren Erforschung unterzogen werden. Es kann also in naher Zukunft damit gerechnet werden, dass weitere Erkenntnisse über die römische Präsenz im rechtsrheinischen Germanien anstehen.

    Also, liebe Freunde vom Denkmalschutzamt: Gummistiefel anziehen und die Metallsonde auspacken, anstatt aus den vergilbten Seiten von Oppermann-Schuchardt zu zitieren!

    Die Argumente der hauptamtlichen ›Schläfer‹ und ein Wettlauf, der längst begonnen hat

    Das Argument der Denkmalschutzämter, die Relikte im Boden für spätere Generationen mit besseren Untersuchungsmöglichkeiten ruhen zu lassen, kann ich nicht nachvollziehen. Die Metallfundstücke, um die es hier in erster Linie geht, treten auf Anhöhen in der Regel nicht einmal 15 cm unter der Oberfläche auf, in Hedemünden nach Aussagen Grotes sogar direkt an der Oberfläche.

    Seit etwa 20 Jahren sind leistungsstarke Metallsonden für Jedermann erschwinglich und es existieren regelrechte Tauschbörsen und –foren bezüglich der Raubgräberei. Das Lager von Hedemünden wurde wahrscheinlich jahrelang geplündert, so dass die zur Datierung wichtigen Münzfunde relativ spärlich waren. Wie auch immer, für Kalkriese ist es ein Glücksfall gewesen, dass Tony Clunn so ein ehrlicher Kerl war und nicht mit den immerhin über hundert von ihm gefundenen Denaren ins britische Empire verschwand.

    Dass zufällig bei Bauvorhaben entdeckte Stätten nur noch durch Notgrabungen untersucht werden können, ist klar. Mir geht es aber um die bekannten, in der Literatur veröffentlichten Wallanlagen, die mit den neuen Methoden noch einige Geheimnisse preisgeben könnten. Selbstverständlich sollten die Aktivitäten der Laien unter Anleitung von Fachleuten stattfinden und von diesen übernommen werden, wenn relevante Funde zutage treten (wie in Kalkriese und Hedemünden).

    Fest steht jedoch, dass der Wettlauf zwischen Raubgräbern und Denkmalschützern längst begonnen hat, nur haben es letztere noch nicht begriffen. Offensichtlich ist die Situation in Hessen günstiger, in Niedersachsen jedoch wird auf die Mithilfe ehrenamtlicher Sucher verzichtet und das Feld den illegalen Sondengängern überlassen.


      Wall-Graben-Roemerlager-Hedemuenden

    Im Fall des Römerlagers »Hedemünden« hatten die zuständigen Denkmalbehörden einige Jahrzehnte verstreichen lassen, bis sie von Amateurarchäologen mit der Nase darauf gestoßen wurden, dass sich vor ihrer Haustür kein Germanisches sondern ein Römerlager befand. Bis dahin hatten findige, weniger starrsinnig denkende Raubgräber schon eine Vielzahl von Funden aus der Lagerfläche abgeräumt. Anlässlich dieser Behördenignoranz hat sich in dem hier abgedruckten Beitrag ein unter dem Nickname »Cato« in einem Geschichtsforum aktives Forummitglied Gedanken über die Arbeit des Denkmalschutzes und dessen Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Sondengängern gemacht.

     

    Zur Fundsituation von Römerlagern zwischen Lippe und Weser

    Von der hauptamtlichen Archäologenschaft ist zwischen Lippe und Weser bisher kein einziges Römerlager identifiziert worden. Das letzte am Oberlauf der Lippe bei Anreppen Mitte der 1960er Jahre entdeckte Lager, ist Dank spielender Kinder gefunden worden, die ihrem glücklicherweise an Geschichte interessierten Lehrer "schöne" Scherben römischer Herkunft mit in die Schule gebracht hatten. Die zwischenzeitlich abgeschlossenen Erkundungen hatten unter anderem zum Ergebnis, dass die parallel zur Lippe laufende Römerstraße an dem Lager vorbei weiter in Richtung Osten führt. Schon aus diesem Indiz lässt sich eine große Wahrscheinlichkeit ableiten, dass Anreppen keine Endstation, sondern Teil einer Lagerkette ist. Die zuständigen Denkmalbehörden haben bisher jedoch keine ernsthaften Anstalten gemacht, nach weiteren Lagern zu suchen. Der Hobbyarchäologe Dr. Leiermann, der von Lagerketten oder gar Lagerfächern im Raum zwischen Lippe und Weser ausgeht, sagt, was von der hauptamtlichen Archäologie eigentlich getan werden müsste, um den Fund weiterer Lager nicht dem Zufall zu überlassen.

    Um Römerlager zu lokalisieren, sollte man sich nach Dr. Leiermann zunächst der Logistik des römischen Militärs bewusst sein: 1. Es hatte keine Luftlandetruppen, wie moderne Armeen und mussten deshalb Zwischenetappen und Vormarschstraßen festlegen; 2. Es verfügte über keine Kühlkette für die Versorgung der Legionen mit Frischgemüse, deshalb Anlage von Landwirtschaft im Umfeld der Lager; 3. Der Transport von Nachschub zu Wasser ist etwa dreißig Mal effektiver als zu Land. Der Verlauf von Gewässern hat daher einen erheblichen Einfluss auf die Vormarschlinien; 4. Die Tagesleistung einer Legion beträgt knapp 25 km; 5. Das römische Militär sah zur Übernachtung der Legionen befestigte Lager vor; 6. Es gab daher in Vormarschgebieten Lagerketten und vor Engpässen oder Flussüberquerungen sogar Lagergruppen, denn zur Vermeidung von Diebstählen war es vorteilhaft, wenn jede Legion ihr eigenes Lager hatte; 7. Die Legionen zogen im März ins Feld (Märzfeld); 8. Die Römer waren mindesten 18 Jahre (von 9 vor bis 9 nach der Zeitenwende) in Germanien, sind also mit ihren Legionen (Sommer-/Winterlager) mindestens 36 Mal durch Germanien gezogen.

    Unter Berücksichtigung dieser Überlegungen gibt es verschiedene Möglichkeiten Lager zu lokalisieren: 1. Einsicht in aktuelle und alte Luftbilder (Luftfotos der Alliierten am Kriegende); 2. Erstellen neuer und Luftbilder mit Normal- und Infrarot-Filmen an Verdachtsstandorten; 3. Absuchen vermuteter Lagergelände und Straßentrassen mit Metalldetektoren; 6. Größenvergleiche gefundener Lager; 7. Untersuchung und Aufmaß der Böschungen und des Böschungswinkels von Böschungen und Gräben; 8. Vergleich der gefundenen Eckradien untereinander und mit den Ecken ausgegrabener Lager; 9. Untersuchung der gefundenen Lager mit Geomagnetik und Bodenradar; 10. Ausgrabung (Schnitt durch Wall, Gräben und Ausfallstraßen). 10. Erfassen frühmittelalterlicher Stützpunkte (Klöster, Kirchen, Pfalzen etc.); 11. Untersuchung von Sprachdenkmälern (Flurnamen etc.). Durch diese Methoden können vermutete Lagerstandorte bestätigt oder widerlegt werden. Die Ernsthaftigkeit einer Forschung sollte sich bekanntlich nicht nur am Positiv-, sondern auch am dokumentierten Negativbeweis zeigen.

    Das bei der Suche nach Römerlagern bisher nicht systematisch nach diesen Punkten vorgegangen worden ist, liegt nicht vorrangig – wie häufig betont wird - an der personellen Unterbesetzung der Denkmalbehörden, sondern vor allem an deren mangelnder Qualifikation. Die hauptamtlichen Denkmalpfleger sind vorwiegend darin geschult ›auszugraben‹ und haben von Logistik und damit fächerübergreifenden Arbeiten keine oder doch zumindest wenig Ahnung. Tatsächlich sind aber eine Vielzahl von Disziplinen bei der Suche nach Römerlagern notwendig: Schon nach alter Theorie sind dies: Historiker, Kunsthistoriker, Theologen, Philologen, Archäologen, Geologen, Biologen und Klimatologen. Nach neuen Erkenntnissen kommen Architekten, Statiker, Wasserbauer, Straßenbauer, Seeleute, Militär, Landwirte und Betriebswirte hinzu. Der typische Denkmalpfleger ist Historiker und Archäologe und erkennt Lagerstandorte vor allem an Funden. Aus der Abwesenheit von hochkarätigen Funden schließt er daher auf die Abwesenheit von Lagerstandorten.

    Dr. Leiermann vergleicht die Effektivität der Archäologen mit der Effektivität von Kriminalbeamten. Die Kriminalpolizei würde derzeit über 90 % aller Mordfälle aufklären: Es lohne sich daher nicht zu morden! Die hohe Aufklärungsquote hängt damit zusammen, dass Kripobeamte darin geschult sind, jeder Spur nachzugehen und einen Mordfall nicht ad acta legen, nur weil sich keine Fingerabdrücke, also hochkarätige Spuren finden lassen. Leiermann schlägt folgendes Experiment vor: Kripobeamte und Denkmalpfleger sollten für ein Jahr ihre Arbeitsplätze tauschen. Das Ergebnis sei mit hoher Wahrscheinlichkeit folgendes: Nach einem Jahr würde es jede Menge Römerlager geben, aber auch jede Menge Mörder, die frei rumlaufen würden. Dies zeigt, dass es sehr wünschenswert wäre, wenn die hauptamtlichen Archäologen mit Hobbyforschern, die bei der Spurensuche über eigene Qualitäten verfügen, zusammenarbeiten würde. Es stehen sich hier also nicht Experten und Laien gegenüber, sondern Gruppen, die sich in ihren Wissensprofilen unterscheiden. Um hier einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, heißt es für den typischen Denkmalpfleger nicht nur Gummistiefel an, sondern auch raus aus dem Elfenbeinturm!

      Gelbbuch-01-Dr. Horst-Leiermann

    Der Architekt und streitbare Amateurarchäologe »Dr. Horst Leiermann« hat in seinen bisher acht Gelbbüchern originelles Material zur Präsenz der Römer in Westfalen zusammengestellt. Weil er das Kloster Corvey in der Öffentlichkeit immer wieder als ein Bauwerk auf römischer Basis bezeichnet hat, wurde er sogar mit einem Hausverbot belegt. Hier macht er sich Gedanken zur Fundsituation von Römerlagern zwischen Lippe und Weser.

     

    Nachbemerkung:

    Das Jubiläumsjahr der Varusschlacht in 2009 steht vor der Tür. Das »Lippische Landesmuseum Detmold« hat sich mit der »VARUSSCHLACHT im Osnabrücker Land gGmbH« darauf geeinigt, dass die Kalkrieser den Ort des Schlachtgeschehens beanspruchen dürfen, während die Lipper den Mythos der Schlacht thematisieren. Nun bröckeln bekanntlich seit einiger Zeit die Beweise für Kalkriese als Ort der Varusschlacht auseinander. Kaum ein Wissenschaftler ist noch bereit, sich auf Kalkriese festzulegen und selbst die Hauptverantwortlichen für die Verortung in Kalkriese der Osnabrücker Althistoriker Prof. Dr. Rainer Wiegels und die Chef-Ausgräberin der ›Kalkrieser Varusschlacht‹ Dr. Susanne Wilbers-Rost rudern offen zurück und denken laut darüber nach, ob der Fundplatz in Kalkriese nicht besser zu den militärischen Vorgängen in der spätaugusteischen Phase passt. Diese Entwicklung wird der Projektleiterin Dr. Elke Treude des Jubiläumsjahrs in Lippe gar nicht passen, denn die hatte 2001 – quasi im vorauseilenden Gehorsam – auch Erdwälle unterhalb der Pässe des Teutoburger Waldes, die nach Rolf Bökemeier** besser als Sperranlagen im Rahmen germanisch-römischen Schlachtgeschehens interpretiert werden könnten, als Reste mittelalterlicher Landwehre identifiziert. Laut Treude würde auch der Topos »Mythos Germanen« Lippe einen »Strauß an Möglichkeiten« offerieren. Wie dem auch sei, ein spätes, durch ehrenamtliches Engagement und Initiative herbeigeführtes offizielles Eingeständnis, dass die Varusschlacht nach Lage der Indizien doch im Teutoburger Wald stattgefunden hat, wäre denn auch wohl eher der passende Topos für das Versagen einer ganzen Generation von hauptamtlichen lippischen Archäologen. Kein Wunder daher, dass sie wenig motiviert sind, potenzielle Lagerstandorte in Ostwestfalen-Lippe zu erkunden!

    * Leiermann, Horst (2006): Feldraster - Die Logistik des Varus. Gelbbuch 3

    ** Bökemeier, Rolf (2004): Römer an Lippe und Weser – Neue Entdeckungen um die Varusschlacht im Teutoburger Wald. Höxter

    G.M., 21.03.2007

     

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