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Dodo

Es trügt auch hier der Augenschein, denn vor uns liegt ein Magenstein! (Kappengeierwally)

 

›Die zauberhafte Welt der Tiere‹

XXIV. Cappuccino-Bären – »Kinder des Klimawandels«

Tips und Taps im Osnabrücker Zoo

Zoologische Gärten arbeiten seit einigen Jahrzehnten an ihrem Image, eine Arche für bedrohte Tierarten zu sein, für die in der Natur kein Platz mehr ist. Bastarde gelten deshalb als peinlicher, von der Natur nicht vorgesehener Betriebsunfall, über den man nicht gerne redet. Aus biologischer Sicht sei es sogar sinnvoll, solche Mischlinge zu erschießen.

Nicht selten entwickeln sich solche Mischlinge jedoch zu Publikumslieblingen, denn ein Liger, also eine Kreuzung aus einem Löwen und einen Tiger, ist allemal attraktiver als seine reinrassigen Eltern. Auch aus anderen Gründen kommt es schon mal zu Konflikten, wenn der Kodex, die Tiere artgerecht zu kreuzen, mit wirtschaftlichen Erwägungen abgewogen wird.

Im Osnabrücker Zoo hat man einen solchen Konflikt nun elegant gelöst. Dort wurden 2004 zwei Bären geboren, die aus einer unbeabsichtigten Kreuzung zwischen einem Polar- und Braunbären stammten. Da sie das Ergebnis eines nicht artgerecht gestalteten Bärengeheges waren, wurde von Seiten der Zoodirektion öffentlich nur ungern darüber geredet.

Als dann 2006 erstmals in freier Natur ein solcher Hybridbär entdeckt oder genauer gesagt geschossen wurde, änderte die Zoodirektion ihre Einstellung. Jetzt waren die Mischlinge nicht mehr Symbol für einen Betriebsunfall, sondern für Naturveränderungen durch den menschengemachten Klimawandel. O-Ton des Zoo-Geschäftsführers Andreas Busemann vom 03.12.09:

»Die beiden Eisbärhybriden – eine Mischung aus Braun- und Eisbär – werden als Klimabotschafter die Besucher informieren. Denn tatsächlich wurden auch in der freien Natur Eisbärhybriden nachgewiesen. Vermutungen legen nahe, dass es weitere gibt und dass diese Kinder des Klimawandels sind«.

Nach vorsichtigen Schätzungen bastardieren etwa 10 % aller Tierarten in der freien Natur. Die überwiegende Zahl dieser Chimären ist zwar selektiv nicht durchsetzungsfähig, aber dies gilt eben keineswegs für alle, zumal die Hybridisierung ein wichtiger Evolutionsmechanismus ist. Am Umgang mit Hybriden entzünden sich immer wieder heftige Kontroversen zwischen Artenschützern.

Den Klimawandel dafür verantwortlich zu machen, dass er Unnatur in die Natur hineinträgt, indem er Artgrenzen aufweicht, ist also ziemlicher Humbug. Nicht die Hybridisierung, sondern unser Naturbild ist unnatürlich. Den beiden Cappuccino-Bären mag diese Diskussion egal sein, ihr Status als Klimabotschafter verleiht ihnen diplomatische Immunität und schützt sie vor allzu eifrigen Artenschützern.

G.M., 12.06.10

 

 

XXIII. Was uns vom Götterboten Hermes blieb

Originalbefund keine Installation

Nach der Mythologie überbringt und übersetzt der griechische Göttebote Hermes den Sterblichen die Botschaft der Götter. Er bewegte sich dabei schneller als das Licht. Dies ermöglichen ihm kleine Flügel, die sich an seinen Stiefeln befinden.

Hier sehen wir, was von Hermes übrig blieb, als er mit Überlichtgeschwindigkeit vom Kurs abkam und gegen eine Stieleiche donnerte. Wenn dieser bedauerliche Unfall mal nicht die Ursache dafür ist, dass die Welt so gottlos geworden ist.

G.M., 08.04.10

 

 

XXII. Warum der Distelfink ein so bunter Vogel ist

Ueli Raz

Als der liebe Gott die Vögel machte, da gab er ihnen Beine zum Hüpfen und Flügel zum Fliegen und Schnäbel zum Fressen, aber auch zum Singen. Dann nahm er einen großen Farbkasten und malte ihnen bunte Federn. Die Taube machte er ganz blau, den Kanarienvogel so gelb wie eine Zitrone, der Dompfaff bekam eine imposante kaminrote Brust und die Bachstelze silbergraue Flügel mit einem schwarzen Strich über Rücken und Kopf. Wie er das Rotkehlchen und den Grünfink anmalte, könnte ihr euch selbstredend denken. Alle Vögel wurden prächtig gefärbt. Nur einer war übrig geblieben, weil er hinter allen anderen stand und sich nicht vordrängen wollte. Das war der Distelfink.

Als er endlich an die Reihe kam, da hatte der liebe Gott alle Farben verbraucht. Da weinte das arme Vögelchen, dass es nun kein buntes Federkleid haben sollte wie die anderen. Doch der liebe Gott beruhigte es, denn in jedem Topf war noch etwas Farbe zurückgeblieben. Und so malte er den Distelfink ein bisschen braun und ein bisschen rot, ein bisschen blau und ein bisschen gelb und ein bisschen weiß und ein bisschen schwarz; aus allen Schälchen ein wenig, so dass er der bunteste unter allen Vögeln wurde. Und als der Distelfink sich zum ersten Mal im Spiegel sah, da hat er sich dann so gefreut.

G.M., 01.03.10

 

 

XXI. Wenn Überanpassung zur bedrohlichen Selbstaufgabe wird

Nachtschwester Notburga sah ihren aufreibenden Dienst in der Intensivabteilung einer geriatrischen Klinik nicht als Bürde, sondern vielmehr als Berufung. Kein Wunder, dass sie sich im Laufe der Jahre immer perfekter an ihre Aufgabe angepasst hatte. Aus bisher nicht geklärten Gründen führte ihr Erscheinen auf der Station jedoch immer öfter dazu, dass die Patienten sich furchtbar erschraken und die Notklingel drückten. Schwester Notburga wurde dann immer sehr ärgerlich, weil die Hilfe doch bereits da war und direkt über ihnen schwebte!

G.M., 20.02.10

 

 

XX. Was das Eis wirklich zum Schmelzen bringt

Diese bezaubernden Bilder, einer fast surreal anmutenden Begegnung zwischen zwei ungleichen Beutegreifern gelangen dem Naturphotographen Norbert Rosing 1992 im Norden Kanadas als ein riesiger, 1.200 Pfund schwerer Polarbär sich dem Gelände einer Husky-Zuchtfarm näherte und unerwartetes Interesse an den dort angeketteten Schlittenhunden zeigte. Während die anderen Hunde verrückt spielten, blieb ein Hund namens Hudson ruhig stehen und wedelte mit dem Schwanz. Ein Leichtsinn, der normalerweise tödlich endet, denn der Polarbär gilt als brutaler Killer, der - wenn ihm der Magen knurrt - auch vor Kannibalismus nicht zurückschreckt. Doch statt den offenbar völlig arglosen Hudson in angestammter Feindschaft zu zerfleischen, berührte er ihn behutsam mit der Nase, um friedlich-freundschaftliche Absichten zu signalisieren. Doch damit nicht genug, im weiteren Verlauf spielten die beiden wie zwei herumbalgende Kinder miteinander, wobei sich der Bär schlussendlich sogar auf den Rücken rollte.

Der Photograph Norbert Rosing betonte später den einzigartigen Verlauf dieser Begegnung, denn normalerweise verhalten sich Polarbären fast ausnahmslos aggressiv gegenüber über Hunden. Ein kanadischer Wildtierexperte meinte, das freundliche Verhalten des Eisbären damit erklären zu müssen, dass dies ein Trick sei, mit dem der Bär versuche, Futter vom Eigentümer der Hunde zu ergattern. So einen, an den Haaren herbeigezogenen Unsinn kann sich wirklich nur ein Experte ausdenken. Erstens war der Bär ein Pfundsbrocken, also bestens genährt und zweitens, wenn ihn wirklich ein knurrender Magen zur Huskyfarm geführt hätte, dann hätte er sicherlich kurzerhand einen der angeketteten Hunde erschlagen und verspeist, statt possierliche Zirkusnümmerchen aufzuführen.

Halten wir uns auf der Suche nach einer überzeugenderen Erklärung an die handfesten Indizien: Fragen wir uns z. B., warum der Hauptdarsteller auf Seiten der Huskies, ausgerechnet den Namen Hudson trägt? Ist dies Rainer Zufall oder führt uns dieser Name auf eine Spur? Er erscheint zwar auf den ersten Blick unverdächtig, weil auch das riesige Binnenmeer, an dessen Westküste sich diese Geschichte abgespielt hat, Hudson Bay heißt; aber gab es da nicht auch einen Schauspieler namens Rock Hudson, der Ende der 1950er Jahre sogar geheiratet hat, um Gerüchten bezüglich seiner homosexuellen Neigungen entgegenzuwirken? Und wenn dies eine Spur ist, gibt es da vielleicht noch weitere Indizien, die den Verdacht erhärten, dass diese Begegnung so unblutig verlief, weil die beiden Beteiligten stockschwul sind?

Da fällt zunächst einmal die in den Bildern zum Ausdruck kommende und wohl nur von einem elitären Wildtierexperten zu übersehende Zärtlichkeit und Zuneigung zwischen den beiden Protagonisten auf. Aber auch ein nüchterner Blick in das voluminöse Standardwerk »Biological Exuberance - Animal Homosexuality und Natural Diversity« des Biologen Bruce Bagemihl (1999) bestätigt, dass etwa zwei Prozent der Polarbären bisexuelles Verhalten zeigen. Bleibt noch die Frage zu klären, ob homosexuelle Gefühle in der Lage sind, den kalten Krieg zwischen zwei von Natur aus bis auf die Knochen verfeindeten Tierarten zu beenden?

Erinnern wir uns an den leider viel zu früh verstorbenen österreichischen Liedermacher Georg Danzer. Der hatte, zu einer Zeit als sich der Westen und der Osten noch im kalten Krieg befanden, anlässlich der Kießling-Affäre, die unsere biedere Republik damals schwer erschütterte, den Song »Der General« getextet und auf der LP »Menschliche Wärme« (1984) veröffentlicht. Darin heißt es: »Die kältesten Krieger, erregten sich heiß, ein wärmlicher Bruder da schmilzt doch das Eis, sie grölten von Schande und Sicherheitsgefahr. Wie wahr ein schwuler General krümmt dem Feind kein Haar...«.*)

Dank dieser schlüssigen und in sich konsistenten Argumentation konnte das Rätsel dieser anrührenden Begegnung von zwei Tierarten, zwischen denen normalerweise das ganze Jahr über kalter Krieg herrscht und blutige Fetzen fliegen, wohl erstmalig einer befriedigenden Lösung zugeführt werden. Und was lernen wir aus des Rätsels Lösung?: Der Sexualtrieb stellt sich uns wieder einmal als Schlüssel zu einem besseren Verstehen der Welt und Quelle anmutend schöner Beziehungsgeschichten dar - und nicht etwa als Hort der Unmoral und niederer Begierden, wie uns viele verklemmte Sittenwächter immer noch weismachen wollen!


*) Der vollständige Liedtext lautet:

Es lebte in Deutschland
einst ein General
von dem man erzählte
er wär’ nicht normal
es hieß, daß er schwach sei
und deshalb untragbar
Na klar, ein schwacher General
krümmt dem Feind kein Haar
ein schwacher General
schwächt die Kampfmoral

Die kältesten Krieger
erregten sich heiß
ein wärmlicher Bruder
da schmilzt doch das Eis
sie grölten von Schande
und Sicherheitsgefahr
Wie wahr, ein schwuler General
krümmt dem Feind kein Haar
ein schwuler General
ist ein Staatsskandal

Doch ich wünschte mir sehr
die Generäle wären alle schwul
und spielten Feindberührung
am Casino Swimmingpool
sie spritzen sich naß
und hätten viel Spaß
was ist hier eigentlich pervers
Liebe oder Haß?

G.M., 25.01.10

 

 

Eisbären auf schmelzenden Schollen sind zur globalen Umwelt-Ikone geworden. Immer wieder hören wir, der Lebensraum der Eisbären sei bedroht, weil wir unsere konsumorientierte Lebensweise nicht ändern und der Klimaerwärmung nicht Einhalt gebieten. Tatsächlich ist ihr Bestand laut Angaben der Weltnaturschutzorganisation*) in den vergangenen fünfzig Jahren von circa 5.000 auf fast 25.000 angewachsen. Ein lästiges Detail, das nach einer Analyse des Publizisten und Klimaskeptikers Michael Miersch - die Botschaft der Bilder aber kaum schmälert. Und die lautet: »Die Eisbären sterben aus! Schuld ist die Klimaerwärmung! Basta!«**)

*) International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN)

**) »Die Klima-Hysterie«. - In: Cicero, Magazin für politische Kultur, Ausgabe Juni 2007

 

XIX. Graziles Grauen*)

Igor Siwanowicz

Man könnte die Gottesanbeterin**) – hier in Drohposition – tatsächlich für ein Wesen aus einer fernen Galaxie halten, doch lauert die geschickte Jägerin, wie in Bernstein konservierte Funde zeigen, schon seit Urzeiten in unserer Welt auf Beute. Mit ihrem dreieckigen Kopf und ihren riesigen Facettenaugen steht die Gottesanbeterin immer wieder für Aliens und Monster in Horror und Science-Fiction-Filmen Modell. Ihren Namen verdankt die Gottesanbeterin, den in Lauerstellung vor der Brust gefalteten vorderen Beinpaar (Fangarme). Doch mit Demut hat diese Haltung nichts zu tun – vielmehr kann die Jägerin so blitzschnell Beute packen.

Gottesanbeterinnen (oder Fangschrecken) sind im Gegensatz zu den sich vegetarisch ernährenden Heuschrecken räuberisch lebende Fleischfresser. Kleinere Artgenossen schmecken ihnen ebenso wie Schmetterlinge, Fliegen, Wespen und Bienen. Tropische Arten verspeisen auch Schlangen, Eidechsen, Vögel und Mäuse, die größer sind als sie selbst. Während die gnadenlose Jägerin bewegungslos in Lauerstellung verharrt, ist sie jederzeit bereit, dem Opfer blitzschnell die hakenbewehrten Fangarme entgegenzuschleudern, die wie ein Taschenmesser zusammenklappen können und das Opfer fest wie im Schraubstock halten.

Die Gottesanbeterin ist eine Meisterin der Tarnung. Häufig tarnt sie sich als Zweig, Grashalm, Rindenstück oder (welkes) Blatt. Bei der Totenblattfangschrecke imitieren kleine Löcher sogar ein Blatt mit Pilz- und Lausbefall. Die Kronenfangschrecke in den ostasiatischen Regenwälder tarnt sich als Blütenblatt einer Orchidee. Experimente haben gezeigt, dass junge Gottesanbeterinnen während ihrer Häutungen selbst ihre angestammte Farbe ändern und sie ihrer Umgebung anpassen können. Wenn sie allerdings selbst in Gefahr gerät, nimmt sie eine Drohposition ein. Sie präsentiert sich frontal, zeigt ihre prächtigen Farben und spreizt die Glieder.

Bei den meisten Fangschrecken sind die Männchen deutlich kleiner als die Weibchen Der Größenunterschied kann für die Männchen, die vom Weibchen durch Pheronome (›Liebesdüfte‹) angelockt werden, bei der Paarung gefährlich werden. Ist die leicht reizbare Dame nicht in Paarungsstimmung und vom Männchen nicht zu beruhigen, sieht sie es nur als Beute. Doch auch wenn die Paarung gelingt, ist sie für das Männchen ein Spiel auf Leben und Tod. Nicht wenige Freier verlieren noch während der Paarung buchstäblich den Kopf. Trotzdem bleibt der kopflose Hinterleib noch aktiv und befruchtet das Weibchen weiter bis er vollständig verspeist ist.

Das wird üblicherweise damit erklärt, dass die Weibchen das Eiweiß dringend für die Bildung der Eier brauchen, erinnert mich aber an eine Anekdote, die ich einmal bei dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould gelesen habe: Auf einer Tagung hätte sich ein Genetiker darüber beklagt, dass sich seine Modellorganismen (ich meine, es waren Mücken) so schlecht vermehren würden. Die Männchen seien kaum dazu zu bewegen, sich mit den Weibchen zu paaren. Darauf hin meldete sich ein unscheinbarer Herr aus dem Publikum und fragte, ob er schon einmal probiert habe, den Männchen den Kopf abzureißen. Leider ist nicht überliefert, auf welchen (persönlichen?) Erfahrungen sein Tipp beruhte!


*) Welt der Wunder, RTL II TV-Sendung »Graziles Grauen - Die gnadenlosen Jagdmethoden der Gottesanbeterin« vom 09.11.2003, Redakteurin: Denise Masuch

**) Hier ein Exemplar der ostasiatischen Art »Rhombodera basalis«. Weltweit gibt es über 2003 Fangschrecken. Die einzige in Deutschland vorkommende Art ist die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa). Sie lebt in wärmeren Gegenden, wie z. B. um dem oberrheinischen Kaiserstuhl und ist vor allem in Südeuropa verbreitet.

G.M., 20.12.09

 

 

 


Zig Koch

Gefährliche Jägerin, mit wie zum Gebet gefalteten Fangarmen, in Lauerstellung – von Demut also keine Spur.

 

XVIII. Goldammern im erbitterten Luftkampf

Fergus Gill

Diesmal kein Zickenkrieg um die Vorherrschaft in einer Clique, sondern ein Hahnenstreit um winterliche Nahrungsressourcen.

G.M., 22.11.09

 

 

 

XVII. Faustisches Paradox

»Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zugrunde gehn!« (Faust 1, Vers 1699 -1702)

G.M., 01.11.09

 

 

 

XVI. Mauersprung

Mauersprung 1

Der Weltrekord im Mächtigkeitsspringen beträgt 2,47 Meter. Er wurde am 05.02.1949 von dem Chilenen »Captain Larraguibel Morales« und seinem Pferd »Huaso« in Santiago de Chile aufgestellt und seitdem nicht mehr übertroffen. Genau 60 Jahre später scheint der italienische Künstler Maurizio Cattelan diesem Ereignis eine sarkastische Installation gewidmet zu haben, die seit Juni 2009 in den historischen Hallen der einstigen Zollbehörde in Venedig zu besichtigen ist.

Mauersprung 2

Laut dem Informationsportal Reitwelten.de wagen sich nur wenige Spezialisten an die extreme Herausforderung von Mächtigkeitsspringen: »Vor allem die Pferde müssen neben einem herausragenden Vermögen, mit einem unerschütterlichen Vertrauen zu ihrem Reiter ausgestattet sein – schließlich sehen sie nicht, was sich hinter den Hindernissen befindet und wo sie landen werden.«

Hier sieht man, was passiert, wenn das Pferd zwar über ein hervorragendes Springvermögen, aber kein Vertrauen zum Reiter verfügt. Der wurde samt Sattel und Zaumzeug (in neuer, aber offiziell nicht anerkannter Weltrekordhöhe) über die 3,50 m hohe Mauer geschleudert. Laut Berichten von Augenzeugen soll es keine einfache Landung gewesen sein. Kein Wunder, dass das Pferd jeden weiteren Versuch verweigerte, die Mauer zu überspringen.

Mauersprung 3

»Wenn man immer wieder nach großem Anlauf gegen Wände rennt, die dabei weder einstürzen noch übersprungen werden können, dann ist es an der Zeit, kleinere Schritte zu machen, nach schmaleren Pfaden durchs Gelände zu suchen.«

Besinnliche Bemerkung des Münsteraner Philosophen, Naturwissenschaftler und Softwareunternehmers »Jörg Friedrich« auf seinem Arte-Fakten-Scienceblog über Kommentar-Schlachten.

G.M., 06.09.09

 

 

 

XV. Ausflug ins Ungewisse

Seehund Kalli

Seehund »Kalli« wurde nach seinem Fund als Heuler in einer Seehundstation aufgepäppelt. Kurz bevor er vor der Insel Juist in die Freiheit entlassen wird, zeigt er sich ausgesprochen skeptisch. Der Liedtext der Kult-Band Mia »Ich freu' mich auf mein Leben - mache frische Spur'n in den weißen Strand.« scheint ihm jedenfalls gerade nicht durch den Kopf zu gehen...

G.M., 09.08.09

 

 

 

 

 

XIV. Friedlich schlummernder Erziehungsgehilfe

Hyäne und Friedlich schlummernder Knochenknacker
Hinrich van Hülsen

Diese Hyäne wurde kürzlich von der Zielgruppe »alleinerziehende Mütter« zum beliebtesten Tier eines Streichelzoos gewählt. Häufigste Begründung: Die nervenstrapazierenden kleinen Racker, die vorher jede Gelegenheit genutzt hätten, ihre Grenzen auszutesten, seien nach dem Besuch des Geheges einfach viel ausgeglichener und pflegeleichter.

G.M., 02.08.09

 

 

 

 

 

XIII. »Nomen est omen…«

Fuenf-Farben-Vogel
»Schwarzbrauen-Bartvogel«
Fuenf-Farben-Vogel
»Fünf-Farben-Vogel«

Der deutsche Name für diesen zur Familie der asiatischen Bartvögel gehörenden Spechtvogel (Megalaima oorti) ist recht farblos gewählt, während der chinesische Name seinem Aussehen alle Ehre macht.

G.M., 18.07.09

 

 

 

XII. Der Kampf der Königinnen

Der Kampf der Königinnen

Zwei Walliser Alm-Kühe im Kampf um ihre Stellung innerhalb der Herde. Die Tiere verletzen sich bei ihrem Kampf nicht, sondern versuchen lediglich, die Kontrahentin wegzuschieben. Erheblich weniger fair geht es bekanntermaßen bei Zickenkriegen um die Vorherrschaft in Cliquen oder Castingshows zu: Da reicht das Repertoire vom verbalen Amoklauf bis hin zum Auskratzen der Augen.

G.M., 13.05.09

 

 

 

XI. Von Brandgänsen und Feuerfalken

Brandgans

Für Tiernamen gibt es meistens viele Herleitungen. Nehmen wir z. B. die Brandgans (Tadorna tadorna), die zur Familie der Entenvögel gehört. Laut Wikipedia gibt es für ihre Bezeichnung mindestens drei Erklärungen: Nach der geläufigsten Version soll sich ihr Name aus dem rostbraunen Brustband ableiten. Nach einer weiteren Version weist er auf die schwarzen (»angebrannt« wirkenden) Flecken in ihrem Federkleid hin und nach noch einer anderen Version könnte er auch ein Hinweis auf ihr Leben als Küstenvögel in der Nähe der Brandung sein. Da die Brandganz gelegentlich auch in Fuchshöhlen brütet, könnte man als weitere Variante ergänzen, dass sie »brandgefährlich« lebt...Wie dem auch sei, ganz anders verhält es sich bei dem Namen »Feuerfalke«, der eine Bezeichnung der australischen Ureinwohner für den Schwarzmilan (Milvus migrans) ist.

Im Unterschied zum deutschen Namen hat er nichts mit der Färbung des Gefieders zu tun*). Der Name »Feuerfalke« bezieht sich auf eine geradezu unheimlich erscheinende Jagdtaktik der Schwarzmilane**): Die australischen Ureinwohner erzählen, der Schwarzmilan hole sich nach einem Buschbrand einen noch glimmenden Stock, fliege damit viele hundert Meter weit über unversehrtes Gelände und lasse dann die heiße Fracht auf trockenes Gras fallen. Dem neu entstehenden Brand entflöhen alsbald Nagetiere und Reptilien, die der Räuber dann bequem erbeuten könnte. Diese in der Bezeichnung »Feuerfalke« von den Aborigines überlieferte, ausgeklügelte Jagdtechnik des Schwarzmilans fand erst jüngst durch die Beobachtung von Studenten eine erste wissenschaftliche Bestätigung.

Ein allgemein akzeptierte wissenschaftliche Erkenntnis ist sie damit allerdings noch nicht, denn die Naturwissenschaft ist bekanntlich sehr autoritätsgläubig. Eine jahrhundertealte Überlieferung von Aborigines zählt da kaum etwas, eine zufällige Beobachtung von Studenten kurioserweise schon erheblich mehr. Zu einer seriösen wissenschaftlichen Beobachtung wird sie erst dann, wenn sie von ausgewiesenen Experten des Wissenschaftsbetriebes beobachtet und dokumentiert werden kann.

Anmerkungen

*) Da die Gefiederfarbe des Schwarzmilans eher braun als schwarz ist, ist sein deutscher Name allerdings eher irritierend als bezeichnend.

**) vgl. Cerutti, Herbert (1994): »Von Tieren – Wenn es Schildkröten regnet.« – In: NZZ Folio 10.

G.M., 05.04.09

 

 

 

 

Schwarzmilan
            Jörg Kalok

Der von den australischen Ureinwohnern auch Feuerfalke genannte Schwarzmilan lebt im Unterschied zur Brandgans nicht brandgefährlich, sondern er ist es.

 

X. Von Knochenschmieden und dem tragischen Tod des weisen Aischylos

Brandgans

Die Bezeichnung »Knochenschmiede« bezieht sich auf ein erstaunliches Verhalten von Bartgeiern. Dieser auch unter dem Namen Lämmergeier bekannte, imposante Vogel war früher in den Bergregionen Europas weitverbreitet. Nach erbarmungsloser Verfolgung im 19. Jahrhundert (man verdächtigte ihn, fälschlicherweise Lämmer und sogar kleine Kinder zu rauben) versucht man ihn heute in den Alpen, wieder heimisch zu machen. Er ernährt sich von Aas und Knochen, die er mit seiner konzentrierten Salzsäure in seinem Magen restlos verdaut. Große Brocken, wie etwa den Oberschenkel einer Gams, die er nicht herunterschlucken kann, knackt er mit einem Abwurftrick, in dem er sie aus 50 bis 80 Metern Höhe auf einen Felsen prallen lässt. Die Geier sind dabei außerordentlich zielsicher und haben regelrechte Abwurfzentren (»Knochenschmieden«), in denen sich Unmengen zerborstener Knochen anhäufen.

Als einzige lebende Fracht nimmt der Bartgeier im Mittelmeerraum auch Landschildkröten auf, vermutlich weil deren Panzer eine gewisse Ähnlichkeit zu Knochen aufweisen. Viel häufiger wird dies von Steinadlern berichtet*): In manchen Gegenden Südosteuropas machen Landschildkröten sogar einen Hauptbestandteil ihrer Beute aus. Eher selten knacken sie deren Panzerung mit Schnabel, weitaus häufiger lassen sie ihre Beute aus großer Höhe auf einen felsigen Grund zerschellen. Es wurde sogar schon beobachtet, dass die Adler die abstürzenden Schildkröten auf ihrem Todesflug begleiten, um nach deren Aufprall unverzüglich über ihre Weichteile herfallen zu können. Hat der Panzer dem Aufprall standgehalten, wird der Abwurf so oft wiederholt, bis er geknackt ist. Dort wo es Adler oder Bartgeier gibt, muss man folglich damit rechnen, dass nicht nur Regen, sondern gelegentlich auch eine Schildkröte vom Himmel fällt.

Dieses Kuriosum hat auch Eingang in eine Legende gefunden. Sie wurde uns von dem römischen Universalgelehrten Gaius Plinus Secundus überliefert und berichtet vom tragisch-komischen Ende des großen griechischen Dichters Aischylos: Ihm war prophezeit worden, dass er seinen Tod durch ein zusammenfallendes Haus finden würde. Um diesem Schicksal aus dem Weg zu gehen, hielt er sich fortan nur noch im Freien auf. Eines Tages flog ein Adler mit einer Schildkröte in seinen Fängen, der auf der Suche nach einem Felsen war, um sein Beute zu zerschmettern, über ihm hinweg. Als er den kahlen Kopf des Aischylos in der Sonne glänzen sah, hielt er dessen ehrwürdiges Haupt für einen Stein. Zielsicher ließ er seine Beute fallen und tötete auf diese Weise den großen Dichter. So erfüllte sich die Prophezeiung, dass er durch ein einstürzendes Haus getötet würde, denn die Schildkröte trägt bekanntlich ihr Haus mit sich.

Bei dem Bericht über den skurrilen Tod des weisen Aischylos handelt es sich sicherlich um keine wahre Begebenheit, sondern um eine amüsante Anekdote, in der das tragische Ende eines großen Dichters ausgeschmückt wird. Immerhin wirft sie ein interessantes Licht auf die vieldiskutierte Frage, inwieweit naturwissenschaftliche Kenntnisse zur Bildung gehören. Der bekannte Literaturprofessor Dietrich Schwanitz hatte in seinem Bestseller »Bildung – Alles, was man wissen muß« geschrieben, dass naturwissenschaftliche Kenntnisse zwar nicht versteckt werden müssen, aber nicht zur Bildung gehören, weil sie wenig zum Verständnis der Kultur beitragen. Die Anekdote über das Ende des Aischylos zeigt nun, dass sie zumindest geeignet sind, den realen Bodensatz von Legenden freizulegen. Im Extremfall könnten sie sogar hilfreich sein, einen prophezeiten ›Schicksalsschlag‹ abzuwenden. Kurioserweise besteht aber eine größere Chance, davon zu erfahren, dass es »Schildkröten vom Himmel regnen« kann, wenn man ein Philosophie- und nicht ein Biologiebuch zur Hand nimmt.

*) vgl. Cerutti, Herbert (1994): »Von Tieren – Wenn es Schildkröten regnet.« – In: NZZ Folio 10.

G.M., 05.04.09

 

 

Bartgeier-Knochen

Bartgeier knacken große Knochen durch einen Abwurftrick

 

IX. Der schöne Fink und das grausige Biest

Seidenspinne Braunbrust Schilffink

Ein Braunbrust-Schilffink (Munia castaneothorax) hat sich in dem starken Netz einer gigantischen Seidenspinne (Nephila edulis) verfangen und steht wohl kurz davor, getötet und verspeist zu werden. Solche Bilder mobilisieren bei den meisten Menschen Urängste vor ekelerregenden Krabbeltieren. Ohne Frage ist für uns die Vorstellung erträglicher, dass ein Vogel in den Klauen eines Sperbers oder den Krallen einer Katze verendet als im Netz einer Spinne.

Es ist davon auszugehen, dass Vögel keine Abscheu vor Krabbeltieren kennen, zumal sie zu ihrem Nahrungsspektrum gehören. Wir wissen daher nicht, welches Ende diesem Prachtfink lieber gewesen wäre, wenn er denn die Wahl gehabt hätte. Vielleicht denkt er aber: Wenn ich nicht saudummerweise in das Netz dieses heimtückischen Biestes geraten wäre, hätte es nicht die geringste Chance gegen mich gehabt.

G.M., 14.03.09

 

 

 

VIII. Staraufgebot

Staraufgebot
Patrick Pleul

Der Star (Sturnus vulgaris) ist für seine Fähigkeit berühmt, Stimmen und Laute nachzuahmen. Jeder (männliche) Star hat sein individuelles Repertoire, das vom melodischem Pirolgesang über nervige Mobiltelefonklingeltöne bis hin zu knatternden Rasenmähergeräuschen reichen kann. Im Prinzip verfügt ein Star damit über das Gesangsspektrum eines recallverdächtigen Casting-Kandidaten bei »Deutschland sucht den Superstar«. Um dies zu würdigen, sollte sein überkommener lateinischer Name in Castus vulgaris geändert werden, was übersetzt in etwa so viel wie Gemeiner Bohlenstar bedeutet.

 

 

 

VII. Landeverbot!

Landeverbot

»Hey Du Vogel, warum fliegst Du nicht ab Dortmund?«

 

 

 

VI. Riskanter Opportunismus

Haidenangst

Zum normalen Beutespektrum eines Sturmvogels gehören Fische bis zur Größe einer Sardine. Bei günstiger Gelegenheit schreckt er allerdings wie viele Beutegreifer auch vor größeren Brocken nicht zurück...

 

 

 

V. Idyllisches

Schwule Sau

›Schwule Sau‹...

 

 

 

IV. Ku’linarisches

Ku'linarisches

Wo geht’s denn hier zum Ku’damm?

 

 

 

III. Der braune Bär und das auswärtige Amt

Das »Auswärtige Amt«, Deutschlands superteuerer Partyservice für Staatsbesuche und Auslandsreisen unserer höchstrangigen Regierungsvertreter, hat aus aktuellem Anlass eine Reisewarnung herausgegeben. Diesmal warnt es anlässlich des illegalen, d. h. protokollarisch nicht vorgesehenen Eindringens eines braunen ›Risikobären‹ nach Oberbayern vor Reisen in den süddeutschen Freistaat. Tatsächlich scheint der aus Österreich kommende (und diesmal zum Abschuss freigegebene) braune Bär aber mit dem Partyservice des auswärtigen Amtes vollauf zufrieden zu sein und macht bislang wenig Anstalten, sich an deutschen Staatsbürgern zu vergreifen. Nachtrag: Der Problembär Bruno wurde am 17.12.2008 Opfer eines legalen jagdlichen Attentates. Gott hab ihn selig!

 

 

 

II. Achtung Bremsen

 Regenbremse
(Fundsache von Helga Helbig, Detmold)

Die graue Regenbremse (15-25mm) ist an schwülen Sommertagen eine quälende Plage für Mensch und Tier. Sie sitzt mit dachartig angelegten Flügeln und ist dann im Gegensatz zur Stubenfliege leicht zu erschlagen. Links die großen regenbogenfarbenen Bremsenaugen (8fach vergrößert).

 

 

 

I. GravitationsscHummel

Die Hummel wiegt 4,8 g. Sie hat eine Flügelfäche von 1,45 Quadratzentimetern, bei einen Flächenwinkel von 6 Grad. Nach den Gesetzen der Aerodynamik kann die Hummel nicht fliegen, aber das weiß sie zum Glück nicht!

 

 

 


›Mensch, Natur und Technik‹

Ia. Der Mensch im Spannungsfeld zwischen Natur und Technik

shark-diver-helicopter

Ib. Die Natur im Spannungsfeld zwischen Mensch und Technik

Qinghai-Tibet-Bahn-Antilopen

Ic. Die Technik im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur

Versenkter-Guellezug

Mensch, Natur und Technik müssen keine Gegensätze sein, sondern lassen sich durch geschickte Bild- (Ia+Ib) oder angepasste Bodenbearbeitung (Ic) zu einem harmonischen Miteinander verbinden.

II. Umweltverträgliches Mountainbiking

Mountainbike-Rueckegasse

Der eindringliche Appell der Forstwirtschaft, aus Rücksicht auf die empfindliche Lebensgemeinschaft Wald auf ausreichend breiten Wege zu bleiben, stellt selbst für den geübten Mountainbiker eine große Herausforderung dar.

 

 

 

 


Die europäische Expansion

I. Zeitgenössische Darstellung

Europäische Ankömmlinge

Zahlreiche Ostindienfahrer steuerten im 17. Jahrhundert Mauritius an, um sich dort mit Schildkröten, Vögeln, Früchten und Frischwasser zu versorgen.

 

 

 

 

II. The Far Side


Gary Larson

Europäische Barbaren überfallen eine friedliche Dodo-Hochkultur.

 

 

 

 


Gezielte Werbung

I. One-Shot Magazine

 

 

 

 

II. Ultimative Endlösung

 

 

 


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